Teil eines Werkes 
2. Band (1866)
Entstehung
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Hercules. Suchte ſie ihn? Zuweilen ja, aber nur ahnend, denn ſie wußte ja ſelbſt nicht, was ſie von den Beſſern ihres Geſchlechts unterſchied, von denen ſie nur wenige kennen gelernt. Zuweilen dämmerte ihr eine Ahnung auf, daß weder Paul noch Daniel die wahren Män⸗ ner ſeien, deren ihr Herz bedürfe. Aber ſie war zu wenig daran gewöhnt, in die Tiefen des Gefühls und Gedankens hinabzuſteigen, um den wahren Grund zu finden, weshalb weder Paul noch Daniel ihr genügten. Sie ſchalt ſich dann ſelbſt eine Närrin, die in Peters⸗ burg verwöhnt worden ſei. Und darin hatte ſie nach ihrer Art Recht. Sie war dort von Offizieren und Her⸗ ren des Hofs umſchwärmt und gefeiert worden wegen ihres Witzes, ihrer leichten Plaudereien, ihrer vertraulichen Art, ſich zu bewegen; umſchwärmt und gefeiert, weiter nichts, denn von einer Heirath, einer ernſten Verbindung hatte Niemand geſprochen; die Brazows waren nicht reich, ſonſt würde ja auch ſchon der Bruder nicht Nina Garika geheirathet haben, die freilich blendend ſchön, aber nichts weniger als geiſtreich und höchſtens leidlich gutmüthig war. So wog und wog ſie hin und her. Daniel liebte ſie, daran konnte ſie nicht zweifeln. Aber ihn heirathen, den langweiligen Schwächling? Auch Paul Ombrazo⸗ witſch liebte ſie, ſie mußte es wenigſtens glauben. Aber für ihn, den armen Major, war ſelbſt eine Gräfin Brazow