Teil eines Werkes 
2. Band (1866)
Entstehung
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natürliche Sittlichkeitsgefühl ſchwächen und an die Stelle wahrer, aufrichtiger und ſtarker Empfindung jene Ge⸗ fallſucht ſetzen, die ſich begnügt, mit äußerer Liebens⸗ würdigkeit und glänzendem Witz die Männer zu täuſchen und anzulocken, die nichts als erobern und das Eroberte eine Zeit lang genießen will und dann nach neuen Sie⸗ gen hinausflattert. Auch in dieſen Frauen ruht der gött⸗ liche Urgrund der weiblichen Natur. Aber er iſt über wuchert von jenen glänzenden Schlingpflanzen der ge⸗ ſellſchaftlichen Koketterie; die Schmarotzergewächſe er⸗ ſticken den urſprünglichen Stamm. Es würde eines gan zen und echten Mannes und ſeiner feſten Liebe bedürfen, um den trügeriſchen, gleißneriſchen Schmuck der ange⸗ lernten Erziehung herabzureißen und ein ſolches Weib zurückzuführen auf ihre wahre, urſprüngliche Reinheit. Aber wohl ſelten feſſelt die Kokette einen Mann, der eine ſolche Herculesarbeit beginnen und die Geliebte ſich ſelbſt zurückgeben möchte. Den Mann von echtem Ge⸗ müth und ſtarker Empfindung führt ſein ſicherer Blick gewöhnlich glücklich vorüber an jenen glänzenden Halb⸗ heiten, und naht er ſich ihnen, ſo wendet er ſich bald ab und ſucht ein reines Herz, denn wer kann wiſſen, ob das Gemüth der Kokette nicht bis in die Wurzel hinein vergiftet, ob eine Heilung noch möglich iſt?

In Sophia's Umgebung befand ſich kein ſolcher