Teil eines Werkes 
2. Band (1820) Leben und Dichtung in Erzählungen / von Friederike Lohmann
Entstehung
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Elsbeth, es kommen mir zuweilen wunder⸗ liche Gedanken. Ich moͤchte ſagen; arme Leute waͤren eben ſo gluͤcklich als reiche, nur daß ſie es nicht wiſſen. Koͤnnten ſie alle einmal aus Möhren Geld machen, ſie wuͤr⸗ den es ſchon einſehen. Der liebe Gott hat keines ſeiner Kinder lieber als das an⸗ dere.

Das fiel, wie ein elektriſcher Funken, in Elsbeths betruͤbtes Herz. Denkſt Du ſo, Mutter? rief ſie jubelnd aus, ſo iſt uns allen gerathen, Dir, mir, und dem armen Conrad. Sieh, wie heiter die Sonne lacht, wie gruͤn die junge Saat das Feld ſchmuͤckt. Laß uns wieder hin⸗ aus ziehen, als einfache Kinder der Na⸗ tur, und dem Gluͤck ſeine falſche Gabe zuruͤckgeben!

So ernſtlich war es nun freilich von

Frau Lieſen nicht gemeint, allein was

wollte ſie thun? Die neue Hoffnung goß friſches Leben in ihrer Tochter krankes Herz, das ſahe ſie wohl, und ſie mußte das Herz unheilbar verwunden, um ſie ihr wieder zu