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den nur Einen Troſt gaͤbe, die ſanfte Theil⸗ nahme einer liebenden Seele. Auch die Mutter, ſo wenig ſie anfangs ihre eigenen Gefuͤhle begriff, dachte jetzt oft in das ein⸗ ſame Thal zuruͤck. Sie hatte in dem Zeit⸗
raum ihres glaͤnzenden Gluͤcks ſo viel pein⸗
liche Langeweile, ſo viel Unruhe, Zwang und Unmuth gelitten, wie nie zuvor. Sich in neue Beſchaͤftigungen zu finden, war ſie
zu alt und ungeſchickt, und doch konnte ſie,
beſonders ſeit die Trauer ſie mehr im Hauſe hielt, zuweilen eine ſo heftige Sehnſucht nach Arbeit empfinden, wie ſie ſie ehedem nach Vergnuͤgen empfand. So ſtand ſie einmal gegen die Zeit der erſten Fruͤhlings⸗ ſaat mit Elsbeth an einem Fenſter, das ins Freie ſah, und blickte auf ein fernes Feld, das ruͤſtige Arbeiter belebten. Ich moͤchte, ſagte ſie zu der Tochter, da druͤben mit
geſchaͤftig ſeyn. Wahrhaftig, es koͤnnte
mir die groͤßte Freude machen, einmal wie⸗
der zu pflanzen und zu beſtelen. Ich
denke uͤberhaupt oft nach Hauſe. Es war doch recht huͤbſch in dem kleinen Thale, und unſern Vater haͤtten wir wohl auch noch,
waͤren wir arme Leute geblieben. Kurz, Els⸗


