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trachtete den Ring, las den Brief, und traͤumte mich in die Vergangenheit. Tra⸗ gen durfte ich dies Andenken der Liebe nur auf den einſamen Spaziergaͤngen, die mei⸗ ne einzige Zerſtreuung waren. Der Krieg intereſſirte mich jetzt lebhaft, und ich liebte die Zeitungen trotz der Tante. Bei meiner Arbeit, wenn die Tante ſchwieg, und nur der gellende Geſang der Canarienvoͤgel an der Decke die Stille unterbrach, malte ich mir die Zukunft mit den ſchoͤnſten Farben, und verſenkte mich oft ganz in Gedanken, die mich aus der Gegenwart weit hinwegtrugen. Da war der Krieg geendigt, Plotow mit Ruhm gekroͤnt, ehrenvoll entlaſſen, und die Tante ſprach ein freudiges Ja uͤber unſern Bund.— Ach, das Schickſal meinte es anders— auch war es ſicherlich gut fuͤr
mich; denn der Jugend heftige Liebe iſt zwar
ein ſchoͤnes Feuer, das leuchtet und ſtrahlt, doch taugt es nur ſelten zur ſanften Waͤrme fuͤr ſpaͤte Jahre, und am Abend des Lebens begluͤckt uns ein geopferter Wunſch unend⸗ lich mehr, als ein erfuͤllter. Ein Jahr war verſtrichen, und wie es im Leben immer geht, jeder ſeiner Tage hatte die Lebendigkeit meiner Gefuͤhle gemin⸗ B 2
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