Teil eines Werkes 
2. Band (1820) Leben und Dichtung in Erzählungen / von Friederike Lohmann
Entstehung
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ſchneller gefaßt, die Tante ganz ungezwun⸗

gen ins Fenſter gefuͤhrt, und hier einige Minuten im Geſpraͤch feſtgehalten haͤtte. Dann kuͤßte er ehrerbietig ihre Hand, druͤck⸗ te auch die meine ſtumm an ſeine Lippen und ſtuͤrzte mit naſſen Augen zur Thuͤr hinaus. Gottlob! ſagte die Tante, waͤhrend ich alles vergeſſend, ſeinem Pferde nachſah Gottlob, daß er fort iſt, nun denke ich doch, wirſt Du wieder die Alte werden, und bei ihm wird es auch wohl heißen: Andre Staͤdtchen, andre Maͤdchen! Man muͤßte die Soldaten nicht kennen. Das verwun⸗ dete mich tief, ob ich gleich nichts davon glaubte; ich konnte mich nicht uͤberwinden, mit der Tante, die ſo hart und ungerecht war, ein einziges Wort zu wechſeln, und der Abend verfloß in truͤbem Stillſchweigen. Der ſchoͤne Fruͤhling kam nun heran, aber er fand mich nicht mehr kindlich, und leicht zu erfreuen, wie ſonſt. Wir reiſten in der Oſtermeſſe nach Leipzig, und ich wun⸗ derte mich, wie mir dies Gewuͤhl hatte ge⸗ fallen koͤnnen, jetzt war mir die Einſamkeit lieber. Meinen Ring und Plotow's Brief bewahrte ich in einem Schmuckkaͤſtchen, zog beides vor dem Schlafengehen hervor, be⸗