Teil eines Werkes 
2. Band (1820) Leben und Dichtung in Erzählungen / von Friederike Lohmann
Entstehung
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Solche Briefe ſind zu allen Zeiten ge⸗ ſchrieben worden, und gefallen nur der, an die ſie gerichtet ſind. Darum ſage ich nicht, was der Meinige enthielt. Ich ſah daraus, daß ich geliebt war, ich ward um Gegenliebe, um Hoffnung gebeten, nur um ein einziges guͤtiges Wort, beim naͤchſten Beſuch. Daß von ewiger Verbindung die Rede war, laͤßt ſich denken, und die Tante, wie der Krieg, waren nur kleine Hinderniſſe. Auch ich uͤber⸗ ſprang ſie behend, und flog im ſeligen Traum auf den Gipfel des Gluͤcks. Das ſind die Gefuͤhle eines ſiebenzehnjaͤhrigen Maͤdchens,

das zum erſtenmale die Bezauberung der Liebe empfindet. Laͤchelnd, aber nicht ohne ſuͤße Nuͤhrung, denkt man im Alter an ſie zuruͤck, wenn der Schnee der Jahre nicht das Herz erkaͤltend getroffen hat.

Wie oft ich nun auf den Boden ging, um von da aus die Thuͤrme von Leipzig zu ſehen, wie oft ich meinen Brief las, und mir den Augenblick des Wiederſehens aus⸗ malte wie endlich einmal Plotow an der Gartenwand voruͤber ritt, und ich ihn bebend mit der heftigſten Verwirrung empfing, das alles will ich nur andeuten. Er fragte dann, und mein Herz ſprach unverſtellt. Er kam