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welche die Stelle der weiblichen Verwandtſchaft des Todten ver⸗ traten, ſtimmten ein Klagegeſchrei an, ſo laut als ſie nur vermoch⸗ ten. In der Ferne klang es faſt wie ein Grabgeſang. Man rühmte darin die Vorzüge des Entſchlafenen, ſeine Tapferkeit und Recht⸗ ſchaffenheit; man beklagte den bittern Jammer und die traurige Lage ſeiner noch lebenden uralten Mutter wie ſeiner zürückgebliebe⸗ nen betagten Schweſtern, ſeiner zum Theile noch unmündigen Kin⸗ der. Man rief daher:
„Wer wird dein Pferd reiten?“
„Wer deine Kleider tragen?“
„Wer wird dein Mütterlein ernähren?“
„Wer deine Kinder umarmen und ſchützen?“
„Bei wem werden deine Schweſtern ſchwören?!“
Dieſe Wehklagen begannen mit dem Augenblicke des Todes, ſie folgten der Leiche zum Grabe, ja darüber hinaus. Ein Pope be⸗ gleitete den Trauerzug, um an der friſch gegrabenen Grube die Gebräuche der Religion zu vollziehen. Lascaris, Meliſſa und die Haiduken warfen die erſten Schollen auf den Sarg. Als das Grab vollends verſchüttet worden, ward es mit einem Kreuze geſchmückt, darauf ſo viele Kukuke abgebildet waren, als Angehörige und Leid⸗ tragende um den Verblichenen trauerten. Dann theilte Lascaris unter die auf dem Gottesacker lagernden Gäſte Wachskerzen aus. Meliſſa ſammelte dieſe gleich darauf wieder ein. Jeder Gaſt küßte ſchließlich ſeine Wachskerze, ehe er ſie zurückgab, mit großer An⸗ dacht, und ſprach dabei mit feierlichem Tone die Worte:
„Für die Seele des Verſtorbenen! Möge es ihm eine ange— nehme und willkommene Aufnahme bereiten im Reiche Gottes!“
In dieſem Augenblicke kam ein Reiter wie beſeſſen daherge⸗ ſprengt. Es war Mirxa der Jüngere. Der Zigeuner ſchwang ſich aus dem Sattel, und zog aus dem Futterſacke ſeines Pferdes einen von getrocknetem Blute ſtarrenden türkiſchen Shawl, darin ein ziem⸗ lich umfangreicher Gegenſtand eingeſchlagen worden. Ein paar leiſe geflüſterte Worte verſtändigten Lascaris über die Geſchichte des Shawls. Der Abenteurer warf ſeinem Leibdiener einen halb dank⸗ baren, halb vorwurfsvollen Blick zu, befahl ihm das Gewebe zu lüften und rief dann mit lauter Stimme:
„Hier mein Dank, Montenegriner, für eure Gaſtfreundſchaft!“
Ein donnerndes einſtimmiges Jubelgeſchrei weckte das Echo der fernſten Berge. Schwang doch Mirxa das wohlbekannte, wenn


