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Der Montenegriner oder Christenleiden in der Türkei : Roman / von Heinrich Ritten von Levitschnigg
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worden; auch erlaubte die eingegangene Wiera keine Mehrung des Kranzes, aber doch noch immer hätten viele Türken kommen müſſen, wäre jeder Willens geweſen, ſeinen Kopf herunterzulangen und nach Hauſe zu tragen. Schaurig ſtachen alſo noch fortwährend die oben prangenden Häupter mit ihren vom Schopfe fallenden Haar

büſcheln gegen das tiefe von dem Mondlicht verklärte Blau des Himmels ab, und durch die Luft zitterte es ſeltſam, als wolle die Begleitung zu dem Reigen, zu dem Kettentanze erſchallen, wie ihn die Geiſter im Mondenglanze zu halten pflegen. Lascaris und Me⸗ liſſa blickten mit einem trüben Lächeln nach der alten Warte.

Plötzlich krachte es donnernd auf.

Schuß folgte auf Schuß. Bald entdeckte man in der Mitte des Thales unter einem großen Baume eine Menge Männer oder, um

nach montenegriniſcher Weiſe zu reden, eine Woiska, zu deutſch einen Kriegerhaufen, wie er weiland den Kaimakan und den Mir⸗ diten empfangen hatte, nur war er weit zahlreicher; auch gab es faſt eine unüberſehbare Menge müſſiger Zuſchauer, und man konnte ohne Uebertreibung annehmen, daß ſich faſt ein Viertheil der geſammten Bevölkerung von Montenegro zu dem feierlichen Empfange des bosniſchen Drachen und ſeiner letzten zehn Braven vor und in Ce⸗ tinje zuſammengedrängt habe. Ein ganzes Geſchwader Reiter in glänzender Tracht mit bunten Turbans kam, ſeine Gewehre und Piſtolen abfeuernd, auf kleinen weißen Roſſen zum Bewillkommungs⸗ gruße im wüthigſten Laufe dahergeſprengt. Alle im Lande üblichen Reiterkünſte wurden aufgeführt, die Schimmel bockten nach Her zensluſt, jetzt flog ein Berittener ſchräg ins Wilde hinaus, nun ſchoß einer ſeine Feuerwaffen gegen das Gebüſch oder die Felſenwände ab, als verfolge er ſeinen Feind, donnernder Jubelruf erſcholl von allen Seiten, kurz der Wladika ſelbſt hätte nach der Rückkehr aus einem ſieghaften türkiſchen Feldzuge nicht prachtvoller, nicht feier⸗ licher, nicht freudiger, nicht glänzender eingeholt werden können.

Alſo geleitete man Lascaris nach dem Kloſter.

Dieſer aber verweigerte es, dasſelbe trotz der Abweſenheit des neutral verbliebenen Wladiken zu betreten. Er konnte und durfte es dem ſchwarzen Mönche nicht vergeben, daß derſelbe bei dem Ver⸗ zweiflungskampfe Bosniens nicht brüderlich und nachbarlich zum Beiſtande herbeigeeilt ſei. Seine Stimme wies daher auch, als er dieſe Weigerung ausſprach, einen ironiſchen Klang.

Meine Lunge, rief er in der bilderreichen Sprechweiſe Mon⸗