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verſtehen können; doch gehört dazu dann wohl auch das feine Gehör dieſer montenegriniſchen und morlakiſchen Hirten, deren Sinne oft faſt eben ſo geſchärft ſein mögen wie jener der Indianer in Amerika. Fremden kommt Alles meiſt ganz unartikulirt vor.
Wenn ein Hirt dieſer Berge ſich einſam fühlt, ſo erhebt er ſeine Stimme und läßt ſie auf das Gerathewohl in die Ferne tönen, um wo möglich ein Echo zu wecken. Er ſieht Niemanden, aber er weiß ja, daß doch irgendwo ein anderer Hirt hinter den Felſen ſitzt, der eben ſo einſam, eben ſo unterhaltungsluſtig und neugierig iſt wie er ſelbſt, der alsbald auch die Aufforderung zum Zwiegeſpräche annimmt und die entſprechende Antwort zurückheult. Haben beide nichts Wichtigeres zu verhandeln, ſo fragen ſie ſich unter einander um ihr gegenſeitiges Ergehen, ob ihre Heerden beiſammen ſind, oder was in der Nachbarſchaft vorgeht, beſonders ob vielleicht ein Reiſender innerhalb ihres Geſichtskreiſes vorüberzieht? Iſt dieſer Reiſende ein Ausländer, ein mächtiger Mann des Landes oder weiſt er vielleicht gar den Anſchein eines Landesfeindes, ſo ſpitzen ſie die Ohren und fragen ſich bis zu der geringſten Kleinigkeit aus. Dann kann auch der Berichtempfänger die Sache nicht lange bei ſich be halten. Er ſtellt ſich ſeinerſeits auf einen Felſen und ſchreit die erhaltene Kunde einem andern Lauſcher zu, der noch weiter im In⸗ nern des Landes ſeinen Standplatz hat, und ſo verbreitet ſich denn die Neuigkeit ſehr ſchnell über das ganze Land. Jeder zwiſchen den ſchwarzen Bergen reiſende Fremde oder Einheimiſche kann überzeugt ſein, daß er von dieſer geheimen oder vielmehr ganz öffentlichen Polizei der Wildniß auf Schritt und Tritt beobachtet und vom Kopf bis zur Zehe ſchneller und genauer beſchrieben, ſignaliſirt, im Vor⸗ aus angekündigt wird, als dies früher bei uns durch Gensdarmen, Anzeigeblätter oder Steckbriefe ins Werk geſetzt wurde. Dieſer tönende Telegraf, weit ſchneller und verläßlicher als weiland ſelbſt die perſiſchen und mejikaniſchen, ſich jede Meile ablöſenden Läufer, ſpielte, ſeit Lascaris und die Seinen die Granitza— Landesgrenze— überſchritten, unaufhörlich, und ſo wußte man in wenigen Stunden in ganz Montenegro, in jedem Dorfe, in der armſeligſten Hürde der Berge von der Ankunft der letzten Ueberreſte der bosniſchen Hai⸗ dukenſchaft, auch wo ſich die Karawane jeweilig befinde, welchen Weg oder Pfad ſie einzuſchlagen gedenke. Zählt doch Montenegro in allen ſeinen Nahien oder Bezirken nebſt dem Gebirgsgebiete, das in ſlaviſcher Sprache Berda heißt, nicht mehr als ungefähr ſiebzig


