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Der Montenegriner oder Christenleiden in der Türkei : Roman / von Heinrich Ritten von Levitschnigg
Entstehung
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Meilen Umfang. Schätzt man ſeinen Flächenraum doch nicht höher als auf achtzig bis neunzig geographiſche Geviertmeilen.

So wurde die Wanderfahrt der Flüchtlinge zu einem wahren Triumphzuge!

Vieles zur Verherrlichung der feſtlichen Fahrt trug auch der Umſtand bei, daß die Karawane ihrer ſchwerer verwundeten Mit⸗ glieder wegen, von denen der älteſte Haiduke ſich endlich gar nicht mehr im Sattel erhalten konnte und daher von bereitwillig ſich ab⸗ löſenden Montenegrinern auf einer Tragbahre von Dorf zu Dorf geſchafft wurde, nur kleine Tagreiſen zurücklegte, endlich, um dem Wladika auszuweichen, der eben ſeinen Zug nach der Kaiſerſtadt Wien angetreten, einen ſo bedeutenden Umweg einſchlug, daß ſie ſpäter auf dem uns bereits bekannten ſüdlichen Pfade nach der ſo⸗ genannten Reſidenz und Kapitale Cetinje gelangte. In allen Dör⸗ fern, welche Lascaris durchzog, wurde er von den Bewohnern feſtlich empfangen, Weiber und Dirnen erſchienen in ihrem Sonntagsſtaate, die Männer feuerten ihre Flinten und Piſtolen ab, jüngere Leute und Knaben erprobten ihre Stärke und Gewandtheit in den üblichen montenegriniſchen Spielen; wo die Reiſenden Raſt hielten, ertönte die Gusla, warf man mit Steinen nach einem beſtimmten Ziele, ſprang man um die Wette auf die weiteſte Entfernung, ſchoß man nach der Scheibe; in den Gebäuden und Hütten ſuchten die Töchter der Berge ihre Gäſte durch jenen ſonſt nur im Winter, beſonders bei Nacht am Feuer gebräuchlichen Zeitvertreib, der einige Aehnlich⸗ keit mit dem deutſchen Pfänderſpiele hat, zu vergnügen, oder unter⸗ hielten ſich mit den in der erwähnten Jahreszeit ländlich ſittlichen Räthſeln, deren es eine ungeheure Menge geben ſoll.

Auch für Schirm gegen Hunger und Durſt war beſtens geſorgt worden.

Alle Leibgerichte der Montenegriner prangten auf den Tafeln und Tiſchen. Herrlicher Dalmatinerwein fluthete in den Bechern. Lascaris und Meliſſa koſteten nur wenig von den erſtern, nipp⸗ ten kaum von dem edlen Rebenſafte. Selbſt aus der Ferne waren, trotz der Charwoche, in der Gottesfrieden zu herrſchen pflegt, und wo man es auch nicht liebt, den heimiſchen Herd zu verlaſſen, zahl reiche Bewunderer und Verehrer der bosniſchen Kriegerſchaft dem gefeierten Abenteurer mit Geſchenken und Gaben entgegengezogen. Da ſah man freiſinnige Paſchtrojevichi, oder Küſtenbewohner zwi

ſchen dem Meere und Montenegro, da drängten ſich ſchmucke Mor 31*