Druckschrift 
Der Montenegriner oder Christenleiden in der Türkei : Roman / von Heinrich Ritten von Levitschnigg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

29

ſen drittes Dragoner⸗Regiment zu ſtellen, das in aktiven Dien⸗ ſten Nizamié ſteht und die Waffen ziemlich wohl zu handhaben verſteht. Es beſitzt außerdem eine Landwehr oder Re⸗ ſerve Redif die aber noch nicht gehörig geordnet iſt. Da jeder zehnte Mann dazu gehört, ſo ſollte das bosniſche Contingent 8000 bis 10,000 Mann betragen, in Wahrheit dürfte jedoch kaum der dritte Theil ins Feld geſtellt werden können. Türkiſche Offiziere gehen mitunter auf das Land, um Uebungen, jedoch ohne Waffen vorzunehmen. Außerdem befinden ſich in Bosnien zwei Liva oder Brigaden Landwehr⸗Reiterei der Spahis oder Grundherrn. Jede Spahi Brigade beſteht aus zwei Regimentern, deren jedes tauſend Mann ſtark iſt. Beide Brigaden ſollen in Zukunft unter einem Di⸗ viſionär vereinigt werden. Dieſer Diviſionär heißt Ferik. Die Landwehr⸗Reiterei verſammelt ſich jährlich an gewiſſen Orten zur Uebung und trägt dann eine Art Uniform wie die ungariſchen Hu⸗ ſaren, natürlich mit dem unerläßlichen Feß. Wir bitten den geneig⸗ ten Leſer, dieſe kurzen militäriſchen Daten nicht für überflüſſig zu halten. Es war nothwendig, die Streitkräfte anzugeben, über welche der Vezier Juſſuw bei dem Beginne der letzten Schilderhebung der zur Verzweifelung getriebenen chriſtlichen Bevölkerung verfügen konnte.

Eben ſo nöthig dürften ein paar Worte über die Haidu⸗ ken ſein.

Die Haiduken, wie man in Bosnien die Räuber nennt, haben zwar große Familienähnlichkeit mit den szegény legények oder armen Burſchen in Ungarn, doch trägt ihr Handwerk faſt immer einen vorherrſchenden politiſchen Anſtrich. Sie waren immer die gefährlichſten Feinde der türkiſchen bewaffneten Macht, namentlich galten ſie ſtets als die unverſöhnlichſten Gegner der Spahis. Ihre Thaten ſind noch gegenwärtig das Lieblingsthema für die Volks⸗ geſänge, die hierlands Piesmas heißen. Auch im Jahre 1843 bil⸗ deten die Haiduken den Kern von Vuk des Montenegriners Frei⸗ ſchärlern. Aus gleichem triftigen Grunde erwähnen wir auch der Hirtenſtämme in Bosnien und der Herzogewina.

Dieſe Hirtenſtämme werden Vlachi genannt.

1 Bosnien und die Herzogewina ernähren nämlich eine beträcht⸗ liche Anzahl Ochſen, die man mäſtet und nach den adriatiſchen Seehäfen führt, wo ſie für die engliſche Flotte zu Corfu, wie für

einen Theil Italien's eingeſchifft werden. Ihre Hirten wanderten