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Der Montenegriner oder Christenleiden in der Türkei : Roman / von Heinrich Ritten von Levitschnigg
Entstehung
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Bosnien iſt die Vendée des osmaniſchen Reiches. Hier fanden die Reformatoren oder Feinde der alten muſelmänniſchen Zwangs⸗ herrſchaft ſeit fünfzig Jahren ihre grimmigſten Gegner. Dies Land iſt daher ſelbſt gegen die übrigen türkiſchen Provinzen weit zurück, da hier nicht einmal das Tanzimat eingeführt worden, nach welchem der Statthalter wie ſeine Unterbeamten vom Staate aus beſoldet werden. Bisher war der bosniſche Muſchir bloß Finanzpächter die⸗ ſes Ejaleth. Wer mehr both, erhielt das Paſchalik. Man kann den⸗ ken, wie das arme Land bei dieſer Verwaltung von den temporären türkiſchen Blutegeln ausgeſaugt werden mußte. Die Abgaben der Bosnier beſtanden bisher aus der Beſteuerung des Vermögens, der Gewerbe und des Viehſtandes, aus dem Pachtzins für Wein und Branntwein, aus der bereis im orſten Capitel erwähnten Kopf⸗ ſteuer der Chriſten, aus der Leiſtung an Fourage und Naturalien an den Muſchir von Seite der Bauern, welche von den Kavaſſen, das ſind Panduren oder Gerichtsdiener, überaus roh überwacht wurde, endlich aus dem Zehnten, welchen die Grundherrn nicht minder ungeſchlacht und gewaltthätig erhoben. Erſtere Steuer, Pores genannt, ward gemeinſchaftlich von Türken und Chriſten an den Paſcha entrichtet. Die Wein⸗ und Branntweinſteuer bedünkte die Bevölkerung am drückendſten, da ſie ein Pächter erlegte, der allein das Recht des Verkaufes beſaß, allen erzeugten Wein und Branntwein um einen von ihm beſtimmten Preis an ſich brachte, ja ſelbſt von dem Hausbedarfe eine beſtimmte Ab⸗ gabe erhob.

Die Militär⸗Verwaltung ließ und läßt noch mehr zu wün⸗ ſchen übrig.

Das geſammte türkiſche Heer iſt in ſieben Ordas oder Lager unter dem Oberbefehle des Seraskier's oder des Generaliſſimus eingetheilt. Bosnien gehört zu dem Armeekorps von Rumelien Rumili Orduſi mit dem Hauptquartier Monaſtar, und hat deſ⸗

als vereinzeltes Beiſpiel da. Die in der Vorrede erwähnten Reverten⸗ ten erzählten uns von einem Popen, den türkiſche Juſtiz wegen einer einzigen freiſinnigen Predigt wie ein Zugthier aufgezäumt vor einen Waſſerkarren ſpannte, dem man am erſten Tage um die Mittagszeit einen gewöhnlichen Futterbeutel um den Kopf band, und war dieſer Futterbeutel einfach mit gewöhnlichem Häckerling gefüllt, der erſt am nächſten Morgen durch Kaſcha, das iſt Hafergrütze erſetzt wurde.