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Der Montenegriner oder Christenleiden in der Türkei : Roman / von Heinrich Ritten von Levitschnigg
Entstehung
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in die Save fällt Steinſalz und Mineralquellen, leider aber be⸗ finden ſich Ackerbau und Viehzucht auf einer ſehr niedern Stufe der Kultur, und namentlich kann der Bergbau beinahe als gar nicht vorhanden betrachtet werden.

Seine ſüdſlaviſchen Einwohner, mit etwa 250000 Osmanen untermiſcht, beſtehen zur Hälfte aus Bosniafen, die andere Hälfte bilden Kroaten, Montenegriner und Morlaken, auch leben hier viele Juden und Zigeuner. Die Landesſprache iſt daher auch die ſüdſla⸗ viſche, von der kroatiſchen und ſerbiſchen nur wenig unterſchieden. obwohl ſeit der Eroberung mehre türkiſche Worte aufgenommen wurden. Selbſt die Mahomedaner im Lande reden ſlaviſch, ja die Wenigſten derſelben verſtehen die türkiſche Sprache. Am häufigſten hört man die Letztere in Travnik ſprechen, da es der Sitz des Mu⸗ ſchir und ſeiner Beamten iſt, da ſeine Beſatzung zudem faſt immer aus Kleinaſiaten, alſo aus wahren Osmanlis aus dem Oriente beſteht.

Die Geſammtbevölkerung beträgt höchſtens eine Million See⸗ len. Zum Islam bekennen ſich etwa 3,500,000 größten Theiles in den Städten wohnende Renegaten und wirkliche Orientalen, die griechiſche Kirche zählt 4,500,000 Gläubige, dem katholiſchen Ritus leben 100,000 Jünger. Letztere namhafte Zahl ſtammt wohl daher, daß die bosniſchen Fürſten weiland Hilfe von dem Abend⸗ lande und dem Pabſte erwarteten. Der heilige Georg kann als Landespatron betrachtet werden, da er nicht blos bei ſämmtlichen Chriſten, ſondern auch bei den türkiſchen Slaven im hohen Anſehen ſteht. Der Hauptſitz der Katholiken iſt das an Travnik gränzende Dorf Dolaz mit etwa dreihundert Häuſern. Die Franziskaner⸗ mönche in den bosniſchen Klöſtern zu Sudiska, Fajnicza und Cres⸗ cevo verſehen, über vierhundert an der Zahl, ſämmtliche Pfarreien im Lande, ſchalten und walten darin als Friedensrichter und wur⸗ den ſchon bei mehren Gelegenheiten als Vermittler zwiſchen Türken und Rajas gebraucht. Ihr Einfluß rührt von dem Freibrief her, anno 1460 von Sultan Mahomed dem Zweiten ertheilt. Dieſer Ferman wird noch jetzt von den Osmanlis als Erinnerung an ihre ehemalige Größe mit religiöſer Ehrfurcht betrachtet. Schlimmer pflegt der Türke mit den Popen umzuſpringen.*) 1

*) Der grauſame Act, den kürzlich alle Journale berichteten, daß man nämlich in der Herzogewina einen griechiſchen Geiſtlichen wie ein Roß