—
——,—
—
—
17
man ſelbſt dem berühmten, anno 1824 an Gift, wie es heißt, verſtor⸗ benen Gelailia Paſcha in der Herzogewina nachſagte, er ſei ein heim⸗ licher Chriſt, ein Franzoſe, und nicht einmal ein Renegat geweſen; es hätten ſich nämlich als man bei ihm die gewöhnliche Todtenwaſchung vorgenommen, keine Spuren der Beſchneidung vorgefunden. Wie dem ſei, auch über den gegenwärtigen Defterdar in Bosnien waren derlei Gerüchte im Umlaufe, und auch ſeine Tochter, obgleich ſie den Yachmak auf der Straße trug, kümmerte ſich ſonſt blutwenig um die türkiſche Sitte, ja ſie entblödete ſich innerhalb ſicherer vier Pfähle nicht im Geringſten, türkiſchen wie chriſtlichen Augen den Anblick ihres anmuthigen Geſichtes zu gönnen. Selbſt ihre Worte trugen, wie wir gleich hören werden, das Gepräge abendländiſcher An⸗ ſchauungsweiſe.
„Am Altare“, ſprach ſie,„heißt es: und er ſoll dein Herr ſein 12
Bei dieſen Worten warf Gülnare das lockige Haupt grollend zurück und biß ſich unmuthig in die Lippen. Ein Blick halb Staunen, halb Verachtung fiel auf die freimüthige Rednerin; dann muſterte ſie— als ſei eine Freundin, die ihr ſo etwas bieten konnte, keines weitern Wortes werth— mit geſchäftigen Augen die zierlichen Dolden und Knoſpen ihres Blumentiſches. Es war nämlich, Dank der vielgereiſten Gattin des S... iſchen Konſuls in Bosna Serai,
auch unter den bosniſchen Damen Mode geworden, die armen
Roſen oder ſonſtigen Kinder Flora's hart an der Knoſpe oder Dolde abzuſchneiden und verſtümmelt in kleine Vaſen zu drücken. Ein derlei Blumentiſch glich einem vielfarbigen, duftenden Schachbrette. Man hätte ihn die Muſterkarte eines Blumiſten nennen können, in Wahrheit aber war er nichts weiter als eine Sünde, ja ein Ver⸗ brechen, Hochverrath, nämlich— am Lenze.
Er iſt ja auch ein Sultan, ein Stellvertreter Gottes auf Erden!
Leila lächelte etwas ſataniſch und fuhr dann, die Unachtſamkeit ihrer Freundin nicht beachtend, gelaſſen fort:
„Ich kann dir doch nicht helfen, in der Bibel ſteht es einmal ſo zu leſen!“
„Bin ich eine gebrechliche Zierpuppe des Abendlandes?“ frug Gülnare.
„An den Orient ſollſt du dich ſchon gar nicht halten. Der Ko⸗
ran iſt noch ungalanter gegen unſer Geſchlecht!“ Der Montenegriner. 2
Der Leſer, der ſich hierüber wundert, möge nicht vergeſſen, daß


