12
von glacirten Ziegeln, ihre Kioske, ihre Bazars mit bleiernen Kuppeln gruppiren ſich amphitheatraliſch um ein weites im Jahre 1270 erbautes Fort. Dieſes von zwölf ungeheueren Thürmen ge⸗ deckte Bollwerk, deſſen Vormauern zwölf Klafter dick ſind, ragt ſenk⸗ recht von der Tiefe des Thales empor, beherrſcht von dem Berge, an deſſen Abhang es ſich anlehnt, und gewährte dem bosniſchen Adel, wenn er in offener Feldſchlacht beſiegt worden, ſchon oft einen ſichern, faſt uneinnehmbaren Zufluchtsort. So ſollte es auch im Ver⸗ laufe des Jahres 1843 der Fall werden.
Es ging gegen die Abenddämmerung, und das Geräuſch des geſchäftigen Tages ward ſcheidend noch einmal in ſeinen brauſende⸗ ſten Klängen hörbar. Eine zahlreiche Menge Fußgänger— die Be⸗ völkerung von Serajevo wird auf 70,000 Seelen angeſchlagen— drängte ſich durch die engen Straßen der eigentlichen Stadt, deren kleinliches und unregelmäßiges Weichbild durch den Umſtand noch mehr an Reiz verliert, daß die Fenſter der meiſten Häuſer nach tür kiſcher Sitte nach dem Hofe gehen. Die Waffenſchmiede bargen ihre berühmten, zur Schau ausgeſtellten Gewehre und Klingen in ſichern Verſchluß, die Kürſchner thaten ein Gleiches mit den koſtbaren Rauhwaaren, das Raſſeln der Geſchirre von Eiſen und Kupfer in den verſchiedenen Fabriken verkündete das Nahen des Feierabends und auch die geſchickten Goldarbeiter ſäumten nicht, dem Beiſpiele ihrer Nachbarn aus Furcht vor jener Gilde vom langen Finger, eilig zu folgen, da die Dämmerung bekanntlich das Treiben jener lichtſcheuen Zunft bedeutend begünſtigt. Kiſten von Wollen- und Baumwollenmanufakturen wurden haſtig vernagelt und verſchickt, die fleißigen Gerber ließen endlich ihre müden Hände ruhen, und gehorchten, falls ſie Muhamedaner waren, der Mahnung der Muez⸗ zins, welche von den Minarets der vielen, mitunter faſt großartigen Moſcheen zum Gebete riefen. Zählt Serajevo doch zu einer der ge⸗ werbfleißigſten Städte in der Türkei. Außerdem iſt es ja der Mit⸗ telpunkt nicht blos des Handels von ganz Bosnien, ſondern auch des ſehr bedeutenden Tranſitohandels, welcher durch Karavanen zwiſchen Salonichi und Janina ſtattfindet. Die Kolonial⸗ und Ma⸗ nufakturwaaren werden zu dieſem Behufe von Trieſt über Spalato und von Wien über Koſtainizza bezogen. In der Umgegend befinden ſich Eiſengruben und Eiſenhütten, ferner wird daſelbſt Weinbau betrieben.
Aus der Kirche der griechiſchen Chriſten ſtrömten heimkehrende
—


