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Der Montenegriner oder Christenleiden in der Türkei : Roman / von Heinrich Ritten von Levitschnigg
Entstehung
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gen Reitkunſt gilt, das Pferd im ſchnellſten Laufe auf dem Flecke zu pariren. Es gibt daſelbſt überhaupt nur zwei Gangarten, den Schritt und den Galopp. Trab iſt in Bosnien nicht üblich. Dem ungeachtet laſſen die bosniſchen Renner an Schnelligkeit und Aus⸗ dauer nichts zu wünſchen übrig, auch wiſſen ſie, wie die Ziegen, die gefährlichſten Felſenpfade zu erklettern. Zur Zeit, als der Schreiber dieſer Zeilen in der Militärgrenze verweilte, wechſelte der Kauf⸗ ſchilling eines ſolchen Gaules zwiſchen zwanzig und fünfzig Gulden Silber. Er ſelbſt beſaß einen von dem nunmehr längſt todten, ſchon damals ergrauten Fähnrich Gayrilovich gekauften Fuchswallachen von ungemeiner Leichtfüßigkeit und Zähheit, und erinnert ſich noch lebhaft, wie er einmal bei einer Vorrückung der kroatiſchen Grenz⸗ regimenter an den Kordon nach einem tagelangen anſtrengenden Marſche den Brigade⸗Adjutanten trotz ſeines Halbblutpferdes bei einer dringenden Meldung weit hinter ſich zurückließ. Jeder Grenz⸗ offizier muß nämlich beritten ſein, erhält aber kein Dienſtpferd, ſon⸗ dern hat den Ankauf ſeines Renners aus eigenem Säckel zu be⸗ ſtreiten.

Juſſuw Paſcha ritt an der Spitze der türkiſchen Huſaren.

Es war ein ſtattlicher Mann mit ſchwarzem Backen- und Schnurbart. Auch er trug die Huſarenuniform, nur war der Dol mäny mit goldenen Schnüren beſetzt. Seine Füße ſtacken in lakirten Halbſtiefeln. Bloß die Handſchuhe, welche bei den Türken durchaus nicht Mode ſind, fehlten, ſonſt aber ſtellte er, namentlich mit ſeinen von Edelſteinen flimmernden Orden auf der Bruſt vollkommen einen modernen, eleganten abendländiſchen Reiteroffizier vor. Auffallend war es, daß ſich ſein Blick immer nach rückwärts und zwar nach der Richtung der Straße nach Serajevo wendete. Ein Mann des Detachements Panduren, das zur Bewachung der Brücke zurück⸗ blieb, meinte auch trocken:

Schön iſt ſie freilich, die Roſe von Serajevo!

Dieſe Panduren, ein walachiſches Wort, das Grenzwächter bedeutet, bei uns Gensd'armen genannt, trugen gleichfalls den Feß, hatten in dem Gürtel Piſtolen und einen Handſchar oder türkiſchen Dolch ſtecken und ſchwangen zudem eine Kantſchuka in der Hand. Dollmetſchte der obige Redner die Gefühle Juſſuw's richtig, ſo war es nur zu erklärlich, warum dieſer Muſchir oder Oberbefehlshaber, böſe über den gezwungenen Abſtecher, in der übelſten Laune von der Welt nach dem Dorfe gelangte und die vorkommenden Beſchwerden

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