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rohe aus Holz geſchnitzte Kreuz in einer abgelegenen, von der Straße abgewendeten Art Niſche verrieth. Dort pflegte die kleine Gemeinde ihre Andacht zu verrichten.
Die armen Dörfler hatten jedoch den Kelch des Elendes noch nicht bis zur Neige geleert, und harrten gerade an dem Tage, mit dem wir dieſes Capitel eröffnen, eines gefürchteten Beſuches. Man erwartete eine Scene türkiſcher Juſtizpflege. Juſſuw Paſcha, der dem humanen Wedſchi und dem weit ſchlimmern Koſrew im Regime gefolgt war, befand ſich nämlich auf einer kleinen Rundreiſe, angeb⸗ lich um die Klagen der chriſtlichen Bauern oder Rajas gegen ihre muhamedaniſchen Grundherrn, die man Spahis nennt, zu prüfen, in Wahrheit aber um einen Vorwand zu einer Fahrt nach Serajevo zu haben, auf welcher Fahrt er jedoch weniger die Stimmung der bosniſchen Großen zu belauſchen, als verliebten, oder beſſer geſagt, verbuhlten Gedanken nachzuhängen gedachte. Die Bosniaken ſtan den daher mit ſcheuer, doch erwartungsvoller Miene vor ihren Hütten, des Zuges harrend, der ſich langſam und mit aller militä riſchen Vorſicht von der Straße nach der Anhöhe heraufwand.
Der Aufruhr war zwar noch nicht ausgebrochen, aber es trie ben ſich bereits im Lande bewaffnete Haufen Patrioten umher, welche die Türken freilich mit dem Beinamen Raubgeſindel zu brandmarken pflegten. Ein Paar Vedetten oder eine kleine Vorhut eröffneten den Zug. Dieſe Avantgarde war aus der ſogenannten Landwehrreiterei der Spahis gebildet. Die Tracht mahnte an unga⸗ riſchen Schnitt, die rothe Mütze natürlich ausgenommen. Das Hauptcorps beſtand jedoch aus wirklichen türkiſchen Huſaren. Der freundliche Leſer wird nun fragen, wie ſich ein türkiſcher Huſar eigentlich ausnehme. Seine Montur beſteht in einem bis an die Ohren und in den Nacken herabgezogenen Feß, d. i. in einer hohen rothen Mütze mit einer blauen Quaſte, wie ſie bei uns die Serben tragen, einem blauen Dolmäny mit rothen Schnüren und einer blauen Plunderhoſen mit rothem Beſetze. Zur Bewaffnung dienen ein Säbel, ein Karabiner und eine Piſtole. Backen⸗ und Schnur⸗ bart dürfen nur die Offiziere tragen. Die Pferde eines Regimentes ſind gleichförmig von einer Farbe wie bei der ruſſiſchen Kavallerie.
Ein Sprichwort nennt die Türkei das Paradies der Pferde und das Fegefeuer der Weiber. Der kleine bosniſche Gaul erfreut ſich ober keiner ſonderlichen Wartung und Pflege, namentlich wird er bald auf den Vorderfüßen hin, da es als Meiſterſtück der dorti⸗


