Teil eines Werkes 
6. bis 10. Stück (1846)
Entstehung
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ſeinige bei einer ſolchen Unternehmung laufen müſſe bei ſeinem gänzlichen Mangel an Welt⸗ und Menſchen⸗ Kenntniß, an gewöhnlicher Klugheit und Vorſicht. Die bloße Thatſache, daß er ſich in dem Brief vergriffen hatte, war ja ein handgreiflicher Beweis, wie unfähig er zur Bewahrung eines Geheimniſſes war. Gleichgül⸗ tig von Natur faſt in Verzweiflung wegen des Ver⸗ falls ſeines Hauſes was ſollte da aus ihm werden? Andere würden die Zeit abwarten und ihre Ausſichten berechnen. Er würde nur dem Ruf der Gefahr horchen. Sie kannte ihn wohl, noch von ſeiner Knabenzeit her⸗ und hatte oft geſehen, wie er ſich mehr von der Gefahr, als andere vom Vergnügen, bezaubern ließ.

Während ſie ſolche Betrachtungen anſtellte, rich⸗ teten ſich ihre Gedanken unwillkürlich auf alle Gefahren einer ſolchen Unternehmung, in die ſie ihn verwickelt glaubte. Die bezaubernden Traumbilder eines ſpekula⸗ tiven Patriotismus wichen bald vor den Schrecken, die ſie jetzt heraufbeſchwor. Sie wußte, er war das einzige

Band, das ſeinen Vater an's Daſeyn knüpfte, und ein

Unglück, das Mark widerführe, würde für den alten Mann der Todesſtoß ſeyn. Und doch waren dies nicht die ſchmerzlichſten ihrer Betrachtungen, denn ſie erin⸗ nerte ſich jetzt, wie oft ſie mit Hohn auf diejenigen an⸗ geſpielt habe, die ein niedriges, unrühmliches Leben führten; wie häufig ſie über die klägliche Rolle ſolcher Menſchen geſpottet, die mit hohen Namen und alter Ahnenſchaft begabt, keinen Wunſch an den Tag legten, aus einer unedlen Stellung ſich emporzuheben und nach Einfluß und Macht zu ſtreben; hatte ſie alſo vielleicht beigetragen zu dem raſchen Schritte dieſes Jünglings, hakten ihre eiteln Worte und ihre unbeſonnenen Reden ihn dazu getrieben, ſich einer Sache anzuſchließen, wo⸗ bei ſeine Leidenſchaften, nicht aber ſein Verſtand bethei⸗ ligt waren? Wie unglücklich mußte dieſe Befürchtung ſte machen!

Mit jedem Augenblick ſtieg der Schmerz ihrer Seele,