17
einem Tone, worin eben ſo viel Schrecken als Erſtau⸗ nen gemiſcht war.
Der Brief war kurz— er enthielt nur einige Zei⸗ len— und ſie hatte ihn mit einem Blick geleſen, bevor ſie Zeit hatte zu erwägen, in wiefern ſie damit eigent⸗ lich gegen das Vertrauen ſich verſündige; in der That ließ ihr das ſpannende Intereſſe des Inhalts wenig Muße zur Beſinnung. Er lautete folgendermaßen:—
„Theurer Bruder— keine Uebereilung— nicht zu haſtig— ohne Frankreich kann nichts geſchehen. T. ſetzt jetzt auf jene Seite große Hoffnungen, und wenn nicht 30000, ſo werden doch 20000 oder wenigſtens 15000 zur Verfügung geſtellt werden, und Waffen für die dop⸗ pelte Zahl. Youghal wird als ein paſſender Punkt ge⸗ nannt, und H. hat Seekarten und dergleichen herüber⸗ geſchickt. Vor allem Geduld; traue keinen Gerüchten, von uns darfſt Du Dir die früheſte und ſicherſte Nach⸗ richt verſprechen. Der Ueberbringer dieſes wird L. ſeyn. Du mußt die Ziffer zu lernen ſuchen, denn eine ent⸗ deckte Correſpondenz würde alles verderben.
Immer der Deinige und für die Sache 4
Hier war alſo der Jüngling, den ſie wegen ſeines Mangels an Ehrgeiz, wegen ſeiner am Boden kriechen⸗ den Gedanken beklagt hatte— hier der bloße Bauer! CEr, der Mitſchuldige irgend eines dunkeln, verzweifel⸗
ten Complottes, worin die Waffen Frankreichs gegen die engliſche Regierung gebraucht werden ſollten. War dies das Geheimniß ſeines düſtern Brütens? Führte er deßhalb ein ſo einſames, abgeſchloſſenes Leben, weil er ſeine Geiſteskräfte auf einen ſolchen Plan concentrirte? „O! Mark, Mark, wie falſch habe ich Dich beurtheilt!“ rief ſie aus, und kaum hatte ſie dieſe Worte geäußert, ſo durchzuckte ſie ſchnell wie der Blitz der Gedanke— welch ſchreckliche Gefahren ein Temperament wie das
Lever, O'Donoghue II. 2


