Teil eines Werkes 
1. bis 5. Stück (1846)
Entstehung
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liche Natur zu veredeln. Solche Motive waren indeſſen im gegenwärtigen Falle nicht vorherrſchend. Kate's Be⸗ wunderung für Sybellas nie irrendes Gefühl und für ihren richtigen Takt war eben ſo makellos als Sybellas inniger Enthuſiasmus für die Irländerin. Was Fre⸗ derick Travers betraf, ſo war dieſelbe Unähnlichkeit im Charakter, die ihm anfangs Kate in Vergleich mit ſeiner Schweſter in einem unvortheilhaften Lichte zeigte, jetzt Urſache, daß er von ihren Eigenſchaften ganz bezaubert war. Seit ihrem erſten Zuſammentreffen war ſie in ſeiner Achtung unendlich hoch geſtiegen; und jede Idee einer Vergleichung zwiſchen den beiden Mädchen wäre ihm jetzt lächerlich vorgekommen. Es ließ ſich nicht leugnen, manche von ihren Anſichten hatten ein zu na⸗ tionales Gepräge, als daß er ſie hätte bewundern können. Sie war mit Leib und Seele iriſch wenigſtens, was er dafür hielt. Die Ueberlieferungen, denen ſie als Kind mit Begierde und Entzücken gelauſcht hatten ihrer Seele einen Hang eingeflößt, der mit den Jahren immer ſtärker wurde, Die unmittelbaren Umſtände ihrer eigenen Familie erhöhten dies Gefühl, und der Verfall ihres Hauſes hatte ihren Stolz mit Kummer gefärbt. All ihre Liebe zu ihren Vettern konnte ſie über die großen Mängel derſelben nicht verblenden. In Mark ſah ſie einen Menſchen, deſſen Lebensgeiſter durch den Druck der Noth gebeugt ſchienen, ſtatt dadurch erweckt zu werden. Herbert ſchien ihr bei all ſeiner Offenherzigkeit und Gutmüthigkeit mehr dazu gemacht, den Sonnen⸗ ſchein des Lebens zu genießen, als ſich zum Kampf mit ſein en Stürmen zu rüſten.

Wie oft wünſchte ſie ein Knabe zu ſein; wie man⸗ cher Traum von einer Laufbahn, die ſie hätte einſchla⸗ gen mögen, ſchwammen vor ihrer Seele. Irland eine Nation ſeine eigenen Söhne ſeine Herren war das Thema mancher oft gehörten Erzählung geweſen und in dem Gedanken an ein Volk, das ſich eine lang ver⸗ lorene, lang geſuchte Nationalität erkämpfen würde,