Teil eines Werkes 
1. bis 5. Stück (1846)
Entstehung
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lag eine Poeſie, die ihre Einbildungskraft erregte und ſteigerte.

Die klöſterliche Erziehung hatte ihre Seele mit Er⸗ zählungen von den Leiden der Eingeborenen und von der ſächſiſchen Tyrannei angefüllt und ſie ſehnte ſich nach dem Tage, da man an den ſtolzen Eindringlingen Rache nehmen würde. Groß war ihre Verſtimmung, als ſie ihre Vettern für jedes Gefühl dieſer Art ſo taub und ſo todt fand; und ſie zeg die ritterliche Glut des engliſchen Soldaten der trägen Gleichgültigkeit Marks ſowie der gluͤcklichen Sorgloſigkeit Herberts vor.

Wäre Frederick Travers ein Irländer geweſen, würde er alsdann die Leiden ſeines Landes ſo demüthig ertra⸗ gen? Dies war eine Betrachtung, die ſich ihrer Seele mehr als einmal aufdrang und nie mächtiger, als da ſie an dem bereits erwähnten Abend von ihm ſchied. Er hatte ſie auf ihrem Rückweg nach Carrig⸗na⸗curra beglei⸗ tet, den ſie, da die Nacht ſchön und der Mond beinahe voll war, zu Fuß zurücklegten. Kate, die, wenn ſie ſpa⸗ zieren ging, ſelten einen Arm annahm, hatte bei dieſer Gelegenheit zufälliger Weiſe den ſeinigen genommen, während Sir Archy ſich an Herbert hielt. Mit hoch⸗ ſchlagendem Herzen lauſchte der junge Offizier, als ſie ein Ereigniß erzählte, deſſen Schauplatz die Gegend geweſen war, über die ſie kamen. Es war ein treulo⸗ ſer Mord, verübt an einem Häuptling und ſeinen An⸗ hängern, der unter dem Vorwand der Freundſchaft dahin verlockt worden.

Man ſagte ihm, erzählte ſie,ſein junges Weib, das ihm gewaltſam entriſſen und zwei volle Jahre ein⸗ gekerkert worden war, ſolle ihm an dieſem Ort wieder zurückgegeben werden; er brauche nur mit einem Ge⸗ folge von zwölf Perſonen, ohne andere Waffen als Schwer⸗ ter, ſich einzufinden und da, wo wir jetzt ſtehen, ſollte ſie wieder ſein eigen werden. Die beſtimmte Stunde war um die Zeit des Sonnenunterganges und er war⸗ tete mit ängſtlicher Ungeduld dort unter jener Klippe,