296 „Aber nicht um Dich in's Verderben zu ſtürzen,
Kate.“
„Nein, das werd' ich auch nicht. Wird mich mein theurer Oheim weniger lieben, wenn ich mir bewußt bin recht gehandelt zu haben? Wird er ein Lächeln weniger für mich haben, weil ich es ihm in meinem glücklichern Bewußtſeyn mit wärmerer Herzlichkeit, erwie⸗ dern kann? Das kann ich nicht glauben; eben ſo wenig kann ich denken, daß Du Deines Bruders Tochter ihres Vaters unwürdig machen willſt. Du wirſt doch ihm nichts abſchlagen.“ Ihre Lippe zitterte und ihre Augen wurden voll, als ſie dieſe letzten Worte mit einer Stimme äußerte, die dem alten Mann tief zu Herzen ging.
„Es gibt nur einen Weg, Kate.“
„Was brauchen wir mehr, Oheim? Wozu zwiſchen verſchiedenen Wegen wählen, wenn wir einen geraden Pfad vor uns ſehen?“
„Ja, Theuerſte— aber man wird ſagenz ich hätte ſo etwas nicht zugeben ſollen— ich hätte bei Annahme eines Anlehens——“
„Ein Anlehen!“ murmelte ſie mit vorwurfsvollem Blicke.
„Nur als ſolches kann ich's annehmen, ſonſt könnte ich keinen Heller davon anrühren,“ erwiederte O'Donog⸗ hue. Nein, nein! Noth und Elend haben ſeit manchem Jahre ſchwer auf mir gelaſtet; aber noch iſt nicht alles Ehrgefühl aus dieſem armen Herzen verwiſcht.“
„Sey es, wie es Dir beliebt, mein theurer, theurer Oheim,“ ſagte das zärtliche Mädchen;„nur laß es Dich keinen weitern ſchmerzlichen Gedanken mehr koſten. Aber ſprechen wir nicht weiter davon;“ mit dieſen Wor⸗ ten küßte ſie ihn zweimal und erhob ſich von ihrem Stuhle.„Morgen gehen wir nach der„Lodge“ um den Tag über dort zu bleiben; Herbert iſt ſo wohl, daß er mit uns kommt.“
„Und Mark— wie ſteht es mit dem, meine Liebſte?“ „Mark wird uns nicht begleiten, Sir. Wir ſind


