21 lang blieb Alles ſtumm. Endlich unterbrach er plötzlich das Schweigen mit den Worten:—
„Alſo das war ſeine Tochter?“
„Ja, Sir, ſie iſt ein hübſches Ding, und auch gut⸗ herzig. Sobald ſie hörte, daß ſie auf ihres Vaters Gut ſey, fing ſie an, nach den Namen aller Leute zu fragen, und ob ſie wohl auf ſeyen, und was ſie zu eſſen hätten, und wo die Schulen ſeyen.“—
„Die Schulen!“ fiel Mary in höhniſchem Tone ein —„hoho, wir Leute im Thale ſollten freilich tüchtig geſchult werden, damit wir lernen Armuth und Kälte ertragen, ohne zu klagen: Lernen iſt ein gar huͤbſches Mittel gegen Hunger——„
Ihre Ironie war zu fein für den dicken Schädel des armen Jim, der meinte die Anmerkung ſolle auf ihn gehen, und mit Andacht erwlederte;—„So iſt's, ge⸗ lobt ſey Gott!“
„Schön,“ ſprach der junge Mann, der jetzt höchſt begierig ſchien, den Gegenſtand wieder aufzunehmen— „ſchön, und was weiter?“
„Dann nahm es ſie Wunder, wo die Straßen hinauf nach den Hütten auf den Bergen ſeyen, als ob derlei Leute Straßen hätten!“
„Sie haben ihre eigenen Wege— dieſe Engländer,“ unterbrach ihn Jim, der mit Eiferſucht ſäh, daß man ſich immer an ſeinen Gefährten wendete—„denn ſo oft wir an einem kleinen Erdäpfelbeet oder an einer Ziegenheerde vorüberfuhren, hieß es immer„Gott ſey uns gnädig, aber hier zu Lande ſind ſie doch gar zu arm z“, ais wir dagegen in den wahrhaft armen Theil des Thales kamen, wo weit und breit kein Haus, kein menſchliches Weſen zu ſehen war, da ging kaum ein an⸗ deres Wort über ihre Lippen, als„ſchön, berrlich, einzig!“ bis wir Keimaneigh erreichten, und dort hätte man ge⸗ meint, es lägen funfzig Acker Weizen vor ihren Augen, ſo voll Lob waren ſie auf die dicken Felſen und ſchwarzen Klippen über unſern Hauptern.“


