12 über erſchrack: ſeine Züge, vor einem Augenbllick noch ſo gleichgültig und farblos, ſchienen jetzt faſt krampfhaft zu zucken, und wurden dunkelroth.
„Meinten Sie mich?“ fragte er in tiefen, vor Lei⸗ denſchaft faſt zitternden Kehltönen.
„Ja——“
Aber ehe der alte Herr ausreden konnte, unterbrach ihn haſtig ſeine Tochter, die den Irrthum, worein ihr Vater gerathen war, mit weiblichem Schnellblick er⸗ kannte, und ſagte—
„Ja, Sir, wir wollten Sie nach der Urſache des Feuers dort am Fuße jener Klippe fragen.“
Der Ton und die Art, wie dieſe Worte geſvrochen wurden, ſchienen ſeinen Aerger plötzlich entwaffnet zu haben; und obſchon er einige Sekunden lang keine Ant⸗ wort gab, nahmen doch ſeine Züge den früheren, gleich⸗ gültigen Ausdruck wieder an, als er erwiederte—
„Cs iſt eine Hütte— dort, jenſeits des Fluſſes ſteht noch eine.“
„Eine Hütte! Sie wollen doch nicht ſagen, daß Leute darin leben?“ ſprach das Mädchen, indem ſich⸗ über ihre Wangen eine krankhafte Bläſſe verbreitete.
„Ja wohl,“ verſetzte der Jüngling;„hier zu Lande hat man keine beſſern.“
„Welche Armuth— welches ſchreckliche Elend!“ rief ſte aus, indem große Thränen aus ihren Augen drangen und ſchwer über ihr Geſicht herunterrollten.
„Sie ſind nicht ſo arm,“ erwiederte der junge Mann in einem faſt verweiſenden Tone.„All das Vieh dort den Berg entlang gehört jenen Leuten— auch die Zie⸗ gen, die Sie drunten im Thale ſehen, gehören ihnen.“
„Und wem mag wohl dieß Gut gehören?“ fragte der alte Mann.“
Sey es nun, daß der Frageſteller oder die Frage den vorigen Aerger des Jünglings auf's neue erweckte — kurz, er ſah ihn eine Zeitlang, ohne ein Wort zu
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