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Ellbogen und lauſchte. Die Töne kamen näher und näher, und jetzt ließ ſich das dumpfe Rollen eines Fuhr⸗ werks hören; ein fremdartiges Geräuſche in dieſem ein⸗ ſamen Thale, wo ſogar der Hufſchlag eines einzigen Pferdes nur ſelten die Echos erweckte. Eine plötzliche Verſenkung des Weges in geringer Entfernung von dem Orte, wo er lag, verhüllte die Ausſicht, ſo daß er in geſpannter Erwartung blieb, neugierig, was wohl dieſe Töne bedeuten mochten, als auf einmal der Wagen zu halten ſchien, und Alles ſtill war.
Einige Minuten lang ſchien der Jüngling zu zwei⸗
feln, ob ihn nicht vielleicht ein durch dieſe oder jene Bergſchlucht fahrender Windſtoß getäuſcht, als ihm menſchliche Stimmen zu Ohren drangen und im gleichen Augenblick auf dem Kamm des Hügels zwei Geſtalten erſchienen, die langſam den Weg daher gingen. Die eine Perſon war ein Mann von vorgerücktem Alter, aber noch von geſundem, kräftigen Ausſehen— ſeine Züge waren noch jetzt auffallend ſchön, und hatten einen ge⸗ miſchten Ausdruck von Offenheit und Stolz; ſie ver⸗ riethen die Gewohnheit, einen gewiſſen Grad von Ein⸗ fluß und Herrſchaft uber andere auszuüben— und gaben dem Geſichte einen Anſtrich, über den man ſich unter allen Charakterzügen am ſeltenſten täuſcht.
An ſeiner Seite ging eine Perſon, die man auf den erſten, auch nur flüchtigen Blick für ſeine Tochter erklären konnte, ſo auffallend war die Aehnlichkeit zwi⸗ ſchen beiden. Sie ſchien nicht über ſechszehn Jahre alt, aber in ihren jugendlichen Zügen konnte man vollkommen den Geſichtsausdruck ihres Vaters erkennen, gemildert durch die zarte Schönheit, die in ſolchem Alter die Lie⸗ benswürdigkeit des Mädchens mit den Reizen der Weib⸗ lichkeit ſchmückt. Eher über, als unter mittlerer Größe beſaß ihre Geſtalt jene auszeichnenden Merkmale von feinem Anſtand, den hohe Geburt ertheilt und ſchon in ihrem Gang konnte ein guter Beobachter einen Anſtrich
von Rang erkennen,


