Arnold und Jonathan waren Zwillinge, und hätten einander zum Verwechſeln ähnlich geſehen, wenn nicht die Farbe ihres lockigen Haares und ihrer Augen ver⸗ ſchieden geweſen wäre. Arnold war blond mit blauen Augen, Jonathan dagegen hatte dunkles, faſt ſchwarzes Haar, und funkelnde, braune Augenſterne. Auch im Charakter ähnelten ſie einander gar nicht, ſondern bil⸗ deten einen faſt vollkommenen Gegenſatz zu einander. Arnold war ſanft, geduldig und ſehr gleichmäßig in ſeinem Streben und Handeln. Jonathan war heftig,
aufbrauſend und ſtolz, und dabei ſehr unſtät in ſeinen
Neigungen. Was er erfaßte, trieb er mit großer Lei⸗ denſchaft, aber die rechte Ausdauer fehlte ihm, und oft blieb er auf halbem Wege zu ſeinem Ziele ſtehen, oder kehrte ihm verächtlich den Rücken zu, wenn es den Reiz der Neuheit für ihn verloren hatte. Nur eine Leiden⸗ ſchaft ſchien ihn vollſtändig zu beherrſchen, die Sucht, reich zu werden, ſo reich, wie die reichſten Leute ſeiner reichen Vaterſtadt, denen er mißgünſtig ihre ſchönen Häuſer, Gärten und ihren verſchwenderiſchen Lurus in der Lebensweiſe beneidete. Sein Sinn ſtand auf Glanz und Pracht, während Arnold nur die allerbeſcheidenſten Wünſche hegte, und von dem Leben nichts hoffte und erſehnte, als das tägliche Brod und eine nützliche, wenn auch untergeordnete Wirkſamkeit.
Die beiden Brüder ſaßen einander gegenüber am Fenſter ihres Zimmers, und blickten durch die hellen Scheiben nachdenklich auf die Straße hinaus, welche ihren Augen ein buntes Gewimmel von Fußgängern, Reitern und Equipagen darbot. Beide achteten jedoch in dieſer Stunde nur wenig darauf, ſondern ihre Ge⸗ danken und Empfindungen verweilten alle bei ihrem


