An der See. 209
den Haſeln ſo dicht umgeben und überwölbt, daß, wer ihn nicht ſchon kannte, ihn höchſtens nur durch Zufall entdeckt haben könnte. Und wenn, wie damals im Frühling, über das Feld nach vorn die Aehren wogten, ſaß man hier ge⸗ ſichert gegen alle gefährlichen Blicke, während man ſelber einen ungehinderten Ausblick auf den Strand und die See hatte.
„Das Boot kommt, ſeh' ich!“ ſagte Bensheim, nach einem flüchtigen Blick auf die See, auf Detlef zurückſchauend, in munterem Tone:„Und eigentlich iſt es ein romantiſcher Einfall, Horſt, gerade von hier abzufahren! Von Horn aus wär' es bequemer geweſen—“
„Sie vergeſſen die Gaffer und das andere Gelichter, Herr Oberförſter,“ unterbrach ihn Detlef, die Brauen leicht zuſammenziehend.„Es giebt dort freilich ein paar treue Geſellen für mich, aber noch mehr ſchlechte Kerle, die mich für ein paar Silberlinge verhandelt haben— Sie wiſſen es wohl!— Und an dem armen Kinde hier ſind ſie alle zu Schelmen geworden,“ fügte er finſter hinzu.„Sie haben ſie verhöhnt und mißachtet und von ſich geſtoßen—“
„Detlef!“ ſagte das Mädchen bittend dazwiſchen.
„Laß es gut ſein, Herz!“ ſprach er mit einer faſt un⸗ geduldigen Bewegung.„Es iſt vieles in mir anders gewor⸗ den. Ich kann vergeben und vergeſſen, aber begegnen will ich den ſchlechten Menſchen nicht. Der alte Zorn möchte noch einmal über mich kommen!“
Bensheim hatte ihm ſchweigend zugehört. Der Ernſt
war auf ſeine Stirn getreten und ſchaute aus ſeinem Aug'. Edmund Hoefer, Treue ſiegt. 14


