208 3 Zehntes Kapitel.
über der blauen See ein dunkler Punkt, in welchem die Au⸗ gen dieſer beiden Zuſchauer trotz ſeiner Kleinheit und der großen Entfernung dennoch allſogleich das braunrothe Segel eines Boots erkannten, welches, vom leichten Lufthauch nur halb gefüllt, das kleine Fahrzeug kaum weiterzubewegen vermochte.
„Er kommt, Detlef, er kommt!“ rief Chriſtine erſchrocken aus. Sie hatte ihre Hände von den ſeinen fortgezogen, ja ſie ſprang auf, um beſſer zu ſehen.„O, Detlef, muß es denn ſein?“
„Quäle mich nicht und mache mir das Herz nicht noch ſchwerer!“ ſagte er und erhob ſich gleichfalls.„Weshalb es ſo ſein muß, Chriſtine—“
„Hollah, da ſind ſie ja!“ unterbrach ihn in dieſem Augenblick eine ſo laute und gar nicht ferne Stimme, daß Beide ſich raſch umwandten und wirklich ganz in der Nähe, gleich jenſeits des Abzugsgrabens den Rufer erblickten und erkannten, den Oberförſter Bensheim, der eben aus den Ge⸗ büſchen hervorgetreten war. Er kam jetzt ſchnell heran, er kletterte durch den Graben und nun ſtand er ſchon neben ihnen und redete, ſich umſchauend, freundlich:„Hier iſt alſo das Neſt, nach dem wir damals ſo vergeblich geſucht? Wahr⸗ haftig, es iſt ein ſicheres! Ich ſtand dort ſchon fünf Minuten und guckte mir die Augen aus, allein es war umſonſt! Und wäret ihr nicht aufgeſprungen, es wäre gekommen wie da⸗ mals, und ich hätte das Nachſehen gehabt!“
Und er hatte ein Recht ſo zu ſprechen, denn der Platz lag ein wenig zurück, von Hagedornen und wilden Roſen die hier emporgewuchert waren, vollſtändig maskirt, und von


