An der See.
Bensheim's nicht geweſen, hätt' ich dich noch wiederge⸗ funden?“
Und er hatte wohl ein Recht, ſo zu ſprechen, denn un⸗ barmherzig, wie die Menſchen ſind, hatten ſie das arme Kind damals, als man von ſeiner Verbindung mit Detlef erfahren, und hernach, als des Letzteren Flucht es ſich ſelbſt über⸗ laſſen, mit ihrer vollen Grauſamkeit mißachtet und von ſich gewieſen. Daß ſo ein armes Herz auch Liebe und Treue zu hegen vermag und dadurch in den Augen und im Urtheil jedes Billigen alles reichlich wieder gut macht, was es viel⸗ leicht gegen die Regel der Geſellſchaft fehlte, das glaubt ihm Keiner und Niemand rechnet es ihm an. Es war eine ſchlimme Zeit geweſen, die Chriſtine damals zu durchleben und überſtehen gehabt hatte, ſie ſah ſich von aller Welt ver⸗ laſſen und verſtoßen, und zwar am entſchiedenſten von ihrer Familie und ihren Standesgenoſſen, die alle gerade einen ſolchen Fehltritt am wenigſten verzeihen, und ſie hätte völlig zu Grunde gehen müſſen, wäre ſie nicht durch reinen Zufall einmal in die Nähe der Frau Bensheim gekommen und von der edlen Dame richtig erkannt, gewürdigt und feſtgehalten worden. Aber ſelbſt dann waren die Jahre nicht leicht und wurden es nicht, denn ſie erfuhr nichts von Detlef und hielt ihm dennoch die Treue, ohne zu wiſſen, ob er ſie nur auch noch wollte!— Und jetzt, wo endlich alles überwunden zu ſein ſchien, ſollte ſie ſich wieder von ihm trennen!
Sie zuckte auf, ihr Auge richtete ſich feſt auf die Ferne — dort hinten, noch ganz in der Nähe von Horn, zeigte ſich


