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Treue siegt : eine Geschichte von der See / von Edmund Hoefer
Entstehung
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206 Zehntes Kapitel.

eine Laube wölbten, kein Blatt bewegte. Eine Weihe kreiſte noch droben, man ſah ſie kaum und hörte nichts von ihr. Aus den Stoppeln ſchnurrte eine Kette Feldhühner auf, ihre blanken Federn glitzerten bräunlich in der Sonne, und dann waren ſie ſchon wieder auf einer andern Stelle eingefallen und verſchwunden.

Aus den Haſeltrauben droben fiel eine reife Nuß herab und auf Chriſtinen's Schooß. Detlef nahm ſie auf und ſagte:Sieh', Chriſtine, das iſt hübſch! Das ſchenkt uns die Heimath zur Mahnung, daß wir ſie auch in der Ferne nicht vergeſſen ſollen! Ich will die Nuß treulich aufheben, und wo wir drüben unſer Haus bauen, da pflanz' ich ſie, daß ſie zum luſtigen Strauch aufwächſt. Und wenn wir unter ihm ſitzen, da denken wir an die alte Heimath und die alte Zeit, wie beide uns ſo viel Böſes und Trauriges geboten, und wie alles ſo dunkel war, als ſollt' es nie mehr hell werden, und wie zuletzt doch alles gut und ſchön wurde, und ich dich wiederfand, mein gutes, liebes Herz, daß ich dich

fortan pflegen und hegen kann und dir alles vergüten und erſetzen, was du Arme um mich gelitten und verloren!

Sie lehnte ihren Kopf an ſeine Schulter, ihre Hand ſpielte mit ſeinen Fingern.So was mußt du nicht reden, ſprach ſie nach einer Pauſe;was hab' ich gelitten und verloren, was nun nicht alles wieder gut iſt? Wäreſt du nur da geweſen, hätt' ich nur einmal von dir gehört!

Laß es gut ſein, ſagte er, es glitt ein Schatten über ſeine Stirn.Ich weiß ſchon, wie es war. Wären

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