210 Zehntes Kapitel.
„Ich kann Sie nicht tadeln, Horſt,“ redete er endlich.„Man hat an Chriſtinen und Ihnen geſündigt, ich weiß es wohl. Allein ihr dürft es nicht vergeſſen, daß ihr ſelber es waret, die ihr das einmal beſtehende Vorurtheil ſich gegen euch wenden ließet. Es iſt ein hartes und nicht ſelten grauſames, allein es beſteht dennoch zu Recht. Denn nicht alle führen ihre Sache ſo gut zu Ende, wie ihr es thut, noch ſühnen ſie ihre Schuld und ihr Unrecht wie ihr. Und Sie dürfen nicht ungerecht werden und auf den Schein hin verurtheilen,“ fügte er noch ernſter hinzu.„Es ſteht hier einer im Buſch und getraut ſich nicht heraus— es frißt ihm ſchier das Herz ab, daß Sie ihn verkennen und von ſich ſtoßen, der doch unermüdlich und am treu'ſten—“
„Das iſt, wie es iſt, und wird nicht anders,“ fiel Detlef ein. Auf ſeiner Stirn war wieder einmal die ganze alte Düſterheit.„Er ſoll davon bleiben.“
„Schäme dich, Detlef, ſchäme dich!“ rief Chriſtine.
„Nein, das ſoll er nicht!“ ſprach der Oberförſter ſtreng.
Und„nein, das thut er auch nicht!“ ſagte zugleich mit den beiden anderen eine dritte Stimme, und zwiſchen den zur Seite gedrängten Haſeln hervor trat unſer alter Be⸗ kannter, Caspar Peers, und mit dem nächſten Schritt vor Detlef hin.„Eine ſolche Herzenshärtigkeit hab' ich nicht um dich verdient,“ redete der wackere Mann weiter.„Du ſollſt mich nicht ſehen wollen, aber ich will dich ſehen. Du ſollſt mir in's Auge ſchauen und mir aufſagen, wenn du das Herz haſt! Habe ich dir damals durch mein unkluges Ver⸗


