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lieber Franz Karl, ſagte Fides, Schreiben und Sprechen iſt verſchieden. So oft ich an dich ſchrieb, ſtandeſt du ganz anders vor mir,— wie aus Licht und Duft fern, und deine Erſcheinung wandelte und richtete ſich immer nach meinen Empfindungen. Wie du aber jetzt vor mir ſtehſt, ſo nahe und ſo feſt: da iſt es etwas anders, obſchon du ſelbſt nicht anders biſt. Ich weiß es nicht zu ſagen. Vielleicht nur weil du eben da biſt, und ich ſo ſehr auf dich blicken und achten muß. Wenn ich an dich ſchrieb, da ſuchte ich dich— in meinem Herzen, und fand darin Gedan⸗ ken an dich; jetzt ſind aber all' meine Gedanken außer mir!
Indem beſann ſie ſich wieder auf ihre Mutter und auf ihre Erwartung, und ſetzte hinzu:
Aber, lieber Franz Karl,— meine Mutter iſt ganz verwundert über uns, und weiß nicht, was ſie von uns denken ſoll,— meine Mutter da!
Bei dieſen Worten ſetzte ſie ſich wieder mit wunder⸗ barer Anmuth auf ihr niederes Stühlchen, und der Ba⸗ ron, indem er kindlich vergnügt vor Frau Lennig nieder⸗ kniete, rief aus: Ach ja wohl! Ich Vergeſſener! Ver⸗ zeihung! Aber nicht wahr, beſtes Mütterchen,— Fides iſt mein?
Frau Lennig, die eine umſtändliche, förmliche Bewer⸗ bung erwartet haben mochte, war von dieſer kurzen, kind⸗ lichen Frage ganz verblüfft, und ſah, wi erklärung und Beiſtand ſuchend, bald den Baron, bald Fides an, die mit gefalteten Händen und innigem Lächeln zu ihr aufblickte. — Herr Baron, ſagte ſie verlegen,— wenn ich Sie recht verſtanden habe, wollen Sie uns die Gnade erzeigen — Ich will mich zwar nicht demüthigen— Ach Gott!
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