Teil eines Werkes 
Bd. 9Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 3 (1857)
Entstehung
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unſauber; Niemand wollte ihre Waͤſche beſorgen, und man ſah ſie daher täglich an den flachen Ufern des Rheins, beſonders unter dem Fiſchthore, halb entkleidet, dabei ſin⸗ gend und pfeifend, ihr Leibgeräth ſelber reinigen, und das unermüdlicheCa ira gewann dabei einen luſtigen Sinn. Doch ganz entſetzlich anzuſehen war es, wenn die Sol⸗ daten in allen Gaſſen und am hellen Tage ſich zu Ver⸗ richtungen niederließen, die dem anſtändigen Mainzer den unſauberſten und unanſtändigſten Begriff von der neuen Freiheit beibringen mußten, und die ſeine reinliche Stadt mit ſinnlichem und ſittlichem Ekel bedrohten.

Der Kaufmann Rapallo, vor einigen Tagen aus Frankfurt zurückgekehrt, erzählte vor der Seitenthüre des Doms einigen Bürgern, welchen Widerwillen auch jene Reichsſtädter gegen die Franzoſen gefaßt hätten. Die Frankfurter haben's nun noch mehr Urſach als wir! ſetzte er hinzu. In Mainz iſt das Volk doch ganz artig ein⸗ gerückt, bezahlt und zeigt ſich in ſeiner luſtigen Ohne⸗ hoſenſchaft vergnügt und gefällig; dort aber verlangen ſie das Zeug zu neuen Hoſen. Eine Brandſchatzung von zwei Millionen Gulden iſt kein Spaß. Uns rühren ſie blos durch Ekel den Magen;, dort rühren ſie aber auch den Geldbeutel der Reichen.

Auf die Frage, wie der General Cuſtine nur zu einer ſolchen Forderung käme, rief Rapallo mit lebhaften Ge⸗ berden:

Kahle Vorwände und nichts weiter! Die Frankfurter hätten die Emigrirten und mainzer Flüchtlinge gefördert; auch hätte Preußen und Oeſtreich viel Geld in Frankfurt ſtehen, und die franzöſiſche Nation nähme Rache an ih⸗