Teil eines Werkes 
Bd. 8Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 2 (1857)
Entstehung
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Hülfsthätigkeit der Menſchen in Bewegung. Jean Baptiſt, in einer Nußſchale von Kahn, mit einer Ruderſtange in der Fauſt, fuhr in dieſem Gewimmel umher, auf dem Strom wie ein gebietender Gott, und wenn er ſich auf das Kai ſchwang, wie ein Heiland umdrängt. Er hatte mit ſchlauem Vorausblick einen Theil der mainzer, kaſſeler, weißenauer und koſtheimer Schiffer zu ſeinen ei⸗ genen Fahrzeugen gedungen; aber auch die anderen Schiff⸗ leute wendeten ſich gern an ihn, um die Fuhren und Preiſe zu vermitteln, da er kecker im Fodern als ſie ſelber, und den Vornehmen als geſchickt und manierlich bekannt war. Da ſetzte es denn endlich ſolcheWaſſerfälle ab, wie ſie der ſchlaue Burſche ſchon auf jener Fahrt mit Garzweilern gewünſcht hatte, und Jean Baptiſt war pfiffig und entſchloſſen genug, ſich dabei nicht zu verrechnen. Ein Taumel hatte ihn ergriffen: der Geldſtrom, der durch ſeine Hände floß, regte ſeine Seele und ſeine Kräfte auf, das Außerordentliche zu leiſten. Und wären nur mehr Men⸗ ſchen dageweſen, unbetheiligt und unbeſchäftigt genug, um ſich an dieſem Schauſpiel der Flucht in ſeinen wilden und poſſigen Auftritten zu ergötzen: dieſer Aufwand von Muth und Gewandtheit, raſchem Blick und gebieteriſchem Willen, die der junge Schiffer in dieſen Tagen bethätigte, hät⸗ ten die lebhafteſte Bewunderung verdient. Die heftigen Pulſe der Anſtrengung, der ſchlagende Uebermuth des Herzens trieben freilich auch den kraftvollen jungen Herr⸗ ſcher des Tags manchen Augenblick zu einer aufjauchzenden Wildheit. Er höhnte die Flüchtlinge aus, denen er be⸗ dient war, und mit ihrem adeligen Gelde ſchien er ihnen auch eine Portion ariſtokratiſchen Hochmuths abzunehmen.

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