Teil eines Werkes 
Bd. 8Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 2 (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

402

dies Alles verwirrte die Sinne und betäubte die Seele der Menſchen. Die Prachtgeſpanne des Adels und der Prälaten zogen jetzt an Karren und Leiterwagen die Güter der Flüchtlinge; indeß die Domherren und Domieellare, die Kanoniker und Kammerjunker, die Regierungsräthe und Hofgerichtsräthe, beſonders der adeligen Bänke, in Angſt und Athemloſigkeit nebenher keuchten.

Und wenn ſie nun hinab an den Strom kamen, der von unzähligen Fahrzeugen aller Art wimmelte, von Boo⸗ ten und Jachten, Kähnen und Nachen, zu denen man, da ſie nicht zureichen wollten, Balken und Bretter zuſammen⸗ fügte, um Kiſten und Koffer, Möbel und Menſchen, Wein⸗ fäſſer und Hausrath, was nur Alles von Habe ſich hatte losmachen laſſen, aufzuladen und ſtromabwärts zu bringen: in welche neue Wirbel wurden ſie da hineingezogen, in Zank und Zerren um die Fahrzeuge, in Zurufen und Zuwinken und in die Gefahr von herbeigewälzten Laſten verletzt oder vom Kai hinab in den Strom geſtoßen zu werden! Die größte Unordnung entſtand aus dieſem

Treiben, ſo daß mancher Kahn umſchlug und ſeine Fracht

in den Strom begrub, andere Boote ohne Frachtbrief ab⸗ fuhren, und die Güter ohne Adreſſe bei Koblenz ausluden und preisgaben.

Von Fodern und Behandeln der Fahrpreiſe war unter dieſen Umſtänden gar nicht die Rede. Die Flüchtlinge überdrängten nicht nur, ſie überboten auch einander, und der Lohn eilte der Fracht voraus. So ſteigerte man die Preiſe ins Unerhörte. Kähne, die ſonſt bis Koblenz ſieben Gulden gekoſtet hatten, wurden jetzt mit 20 bis 30 Ka⸗ rolin bezahlt. Eine Flut von Silber und Gold ſetzte die