Teil eines Werkes 
Bd. 8Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 2 (1857)
Entstehung
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Von ihm rührte auch ein Spottname her, der in dieſen Tagen und noch länger ein Loſungswort der Schiffer, der Laſtträger und des gemeinen Volkes blieb. Auf jenen verhängnißvollen Kanonenſchuß hatte nämlich eine Com⸗ pagnie weilburger Contingents ihren Poſten in der Feſtung

verlaſſen und Reißaus über die Schiffbrücke genommen.

Einzelne dieſer Weilburger wurden gleich wieder, andere ſpäter, von den mainzer Landjägern aufgefangen, und mit Schlägen zurückgebracht. Dies war am erſten Morgen der großen Flucht am Rhein bekannt geworden, und als nun Jean Baptiſt hinter der Abfahrt des alten, reichen Domſängers von Hoheneck mit Hohnlachen ausrief:Oho Weilburger! ſo war dieſe Anſpielung ſogleich verſtanden, und ein gräßliches Echo tönte am Kai entlang aus hun⸗ dert Kehlen mit:Oho Weilburger! Und dieſe blei⸗ bende Bezeichnung eines Flüchtlings hatte ſelbſt für den Denkenden einen drolligen Sinn, weil ſie einen Burger (wie man in Mainz ſtatt Bürger ſagte) bedeutete, der eben nicht weillt.

Unter dieſen Umſtänden, da Fahrzeuge nur ſchwer und um ſchweres Geld zu haben waren, nahmen Viele den Landweg nach Frankfurt, Aſchaffenburg und Würzburg. Die Schiffbrücke war von Tagesanbruch bis zur einbre⸗ chenden Nacht mit Equipagen, Kaleſchen und Chaiſen, mit Wagen und Karren bedeckt, Pferde und Ochſen vorge⸗ ſpannt. Und da es auch in dieſer Richtung bald an Zugvieh und Fuhrleuten gebrach, nahmen beſonders viel franzöſiſche Emigranten Stock und Bündel zur Hand, und ſuchten ſich ins Rheingau, ins Naſſauiſche und Heſſiſche zu retten.