Die Comteſſe drückte ihr glühendes Geſicht an ſeine Bruſt. Da fiel der Alarmſchuß eines ſchweren Geſchützes, und die Gräfin ſchrie auf. Auch das vertraute Paar er⸗ hob ſich, und Joſephine umſchlang bänglich den Verlobten, der wie von einer Erſcheinung betroffen, nach der dunkel⸗ ſten Ecke des Zimmers ſtarrte. Und war es auch aller⸗ dings keine Erſcheinung, ſo mußte doch eine ſo wunderſame Anwandlung, als er im Augenblick hatte, einen geiſter⸗ haften Eindruck machen. Wie nämlich zuweilen ein lauter Klang im Zimmer unerwartet auch auf den Saiten eines unberührten Inſtrumentes den verwandten Ton hervorruft: ſo hatte Franz Karl im Augenblick, als der ſchwere Ka⸗ nonenſchuß fiel, des Kurfürſten„Au weh“ laut in der Seele vernommen,— und jene Scene, da der alte Herr auf einen Podagraſtich die zum Verlobungsſegen ausge⸗ ſtreckte Hand gezuckt hatte, ſtand lebhaft vor ihm. Dieſe Erinnerung im Zwielichte des Zimmers war gerade da⸗ durch ſo ſpukhaft, weil jener Ausruf dem Baron damals nicht aufgefallen, und ſeitdem nicht wieder in ſeiner Seele aufgeſtiegen war.
Die Gräfin hatte inzwiſchen nach Licht gerufen, und war an das Fenſter geeilt. Die Straße füllte ſich mit Menſchen, die aus ihren Wohnungen herbeiſtürzten.— Was gibt es denn, was bedeutet es denn? fragte die Gräfin hinab. Niemand wußte es, und Alles ſchrie nur durcheinander: die Franzoſen, die Franzoſen ſind da!
Gehen Sie, um Gotteswillen, Baron, und ſehen zu, was es iſt! flehte die angſtvolle Dame, und Franz Karl umarmte Joſephinen mit beruhigenden Worten. Sie zit⸗ terte an ſeiner Bruſt, als ob ſie ihn nicht laſſen dürfe;


