ihren Leiern und Liedern vor angeſehenen Häuſern auf⸗ warteten, mehrere Tage nicht geſehen wurden, und plötzlich wieder erſchienen. Es blieb unbemerkt, daß ſie niemals in Mainz übernachteten, und wenn ſie auf dem Mitternacht⸗ plätzchen vor der Wohnung des Kapitulars von Betten⸗ dorf ſpielten, fiel es Niemandem auf, wenn ſie ins Haus gerufen wurden. Man pflegte überhaupt nur über den kindiſchen gnädigen Herrn zu lächeln. Selbſt der alte, beſchränkte Kammerdiener dachte nichts dabei, daß nur der jüngere Sänger Sr. Hochwürden Gnaden vorſpielte, in⸗ deß der Aeltere mit Pater Garzweiler in das bekannte untere Zimmer trat. Hier öffnete ſich die eigens einge⸗ richtete Leier, gab Briefe heraus oder nahm Briefe ein, und das Inſtrument, das ſich ſo gut in die Zeit zu ſchicken wußte, ſchien gerade im falſchen Dienſte der Politik und als Spion ſeinen beſten Vortheil zu finden.
Bald ſollten die unbeſtimmten Aengſte der mainzer Einwohner eine öffentliche Geſtalt finden. Zuerſt theilte Eickemeyer, der nie den Club beſuchte, einigen Freunden den Brief eines ihm vertrauten Offtziers der ſpeierer Be⸗ ſatzung mit, worin es unter Anderem hieß:
„Unſere Lage wird mit jedem Tage bedenklicher. Den Franzoſen würde es ein Leichtes ſein, aus den benach⸗ barten Feſtungen eine beträchtliche Anzahl Truppen zu vereinen, und noch durch Nationalgarden zu verſtärken. Unſer Oberſt iſt deshalb unbeſorgt; er will ſie, ſoviel ihrer auch ſein mögen, erwarten und in offenem Felde ſchlagen. Die Ringmauern von Speier ſind gut; es käme darauf an, die Thore durch einige Fleſchen zu decken und die Gemeinſchaft mit dem rechten Rheinufer


