Teil eines Werkes 
Bd. 8Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 2 (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

375

Deſto mehr Aufſehen machten Garzweiler's Predigten in der Jeſuitenkirche. Seit der Abweſenheit des Hofes war der Redner, gegen alle Warnungen ſeiner geiſtlichen Vorgeſetzten, immer kühner geworden. Einige clubver⸗ wandte Geiſtliche, Emmerizianer, die Gelegenheit hatten, den Eindruck dieſer Predigten auf das Volk mit den Er⸗ klärungen zu vergleichen, die der Redner in ſeiner Ver⸗ antwortung vor dem General⸗Vicariate darüber gab, er⸗ klärten dieſe Predigten für die wunderbarſten, die vielleicht je von der Kanzel vernommen worden. Sie trugen, wie man verſicherte, einen Hauch, einen befruchtenden Duft in das Gemüth der mehr fühlenden als denkenden Menge über, geeignet, eine ſchwere Stimmung hervorzurufen, und die Seele mit banger Erwartung und lähmender Furcht zu erfüllen; indeß die einzeln zur Prüfung herausgenom⸗ menen Sätze matt, oft ſogar abgeſchmackt, wie eine von ihrem Geiſt entbundene Flüſſigkeit erſchienen. Dieſen Geiſt hauchte in Ton, Blick und Geberde der lebendige Vortrag des Redners, und Garzweiler verantwortete ſich darüber ſo geſchickt, daß der Offtzial in ſeinem Berichte an das General-Vicariat den Zweifel ausſprach, die Angſt des Volkes möchte nicht ſowol aus den Predigten, als vielmehr aus der Stimmung der Zeit entſpringen, und man dürfe es dem Pater als ein Verdienſt anrechnen, daß er die Gemüther von dieſer Angſt gleichſam entbinde, um ſie für kritiſche Zeiten zu befreien und zu erheben.

Bei dieſer Lage der Dinge achtete man ſo mancher Fremden nicht, die jetzt in Mainz erſchienen und ver⸗ ſchwanden. Am wenigſten erregten zwei Savoyarden Verdacht,— Vater und Sohn, wie es ſchien, die mit