362 noch mehr, und indem er ſie mit Kraft über Bord ſchwang, konnte er nicht widerſtehen, ſie heftig zu küſſen. In demſelben Augenblicke traf ihre rechte Hand ſeine linke Wange mit einem derben Schlage. Darüber gleitete Cä⸗ cilie mit dem einen Fuß ins Waſſer, und ſchrie ängſtlich auf.— Da haben Sie's nun! ſagte Jean Baptiſt la⸗ chend. Mir geben Sie den Segen und für ſich nehmen Sie das Weihwaſſer! Mir haben Sie den Backen an⸗ gezündet, und ſich den Fuß angenetzt; hier oben brennt es, und da unten kühlt es! Jetzt theilen wir Feuer und Waſſer mit einander, und können alle Tage einen Haus⸗ halt anfangen. Man weiß gar nicht, wie heutzutage die Menſchen zuſammenkommen!
Er hielt noch immer über dem Bord ſeines Kahns
die Hand Cäeiliens, die verlegen und verwirrt zwiſchen
dem Gebüſche ſtand, und indem Jean Baptiſt ſie ein wenig zu ſich herüberzog, ſagte er mit komiſcher Zärt⸗ lichkeit: Wiſſen Sie was, liebſte, ſchönſte Baroneſſe? Le⸗ gen Sie ihr Füßchen nur an meine Wange, und das liebe Strümpfchen wird bald trocken ſein!
Cäcilie! Wo biſt du denn? rief es von einem Pfade der Inſel her. Sie erkannte ihres Bruders Stimme, und erſchrak.—
Fort, fort, Jean Baptiſt! flüſterte ſie; aber laß dich nicht ſehen; halte dich noch verſteckt!
Und während ſie das Buſchwerk auseinander bog, ſich emporzuſchwingen, antwortete Jean Baptiſt leiſe hin⸗ auf: Adieu, ſchöne Cäcilie! Ich trage Ihre Roſe an mei⸗ nem Ohr, wie ein tyroler Bräutigam.


