359 Sie trat dem buſchigen Geſtade näher, und glaubte Jean Baptiſt's Stimme zu erkennen. Wirklich blieb auch die Melodie nicht ohne Begleitung eines echten Schiffer⸗In⸗ ſtrumentes; indem ſtatt der Saitenklänge einer Laute Cä⸗ cilie die Ruderſchläge des Sängers vernahm, deſſen Gon⸗ del eben in ſchwarzen Umriſſen durch den Lichtſtreif des Mondes heranglitt. Eine wunderſame Unruhe, ein un⸗ widerſtehliches Verlangen trieb die einſame Baroneſſe hin⸗ ter dem Buſchwerk hervor an das Landungstreppchen. Eben kettete der Schiffer ſein Fahrzeug an.— Schaukle mich eine Strecke hinaus! rief ſie ihm zu; ich will einmal hö⸗ ren, wie ſich die Muſik in der Ferne ausnimmt.
Ein flacher Kahn lag an einem Ringe gebunden; Jean Baptiſt löſte ihn, und mit dem Doppelruder, wie mit zwei Waſſerflügeln, wiegte er die reizende Schwärme⸗ rin der Nacht weit hinüber. Da ſtrahlten die Lichter matt durch den Dämmer des Vollmonds und die Muſik zerfloß im leichten Dunſte des Gewäſſers. Cäcilie plau⸗ derte mit dem Schiffer, deſſen naive und kecke Antworten etwas Aufregendes für ſie hatten.— Warum biſt du nicht verheirathet? fragte ſie.
Ich traue den mainzer Mädchen nicht, gnädige Ba⸗ roneſſe.
Und warum denn nicht, du närriſcher Menſch?
Ich fürchte, überall zu ſpät zu kommen, ſchöne Ba⸗ roneſſe.
Je nun— dann mußt du gleich früh morgens nach ihnen ausgehen, Jean Baptiſt!
Vor jedem Morgen geht eine Nacht her, wiſſen Sie, und—!


