Teil eines Werkes 
Bd. 8Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 2 (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

58 eigenen Herzen auch die rechten Mittel und Wege. Frei⸗ lich, wenn wir uns blos mit dem Verſtand für nichtige oder vielleicht gar unrechte Dinge zuſammennehmen, kön⸗ nen wir recht verlaſſen bleiben oder auf Irrwege kommen: aber ein Beſinnen im Gebete geht doch gewöhnlich auf Rechtes und Gutes, und wir bleiben dann auch nicht ohne Auskunft, weil unſere Seele einen urſprünglichen Trieb und Sinn für die göttliche Ordnung in der Welt hat.

Und dann noch Eins, woran mir gar viel liegt! fuhr Gertrud fort. Aber auch damit bin ich hier an die rech⸗ ten Leute gekommen. Herr Lennig, fällt mir ein, hat ja mit dem Baron von Wallbrun unſer Kaufgeſchäft we⸗ gen des Weinbergſtücks gemacht: ich kann alſo von Ihnen am beſten erfahren, wie, wo und wann der gnädige Herr zu ſprechen iſt.

Zum erſtenmal ſeit ihrem Wiedereintritte in Mainz hörte Fides dieſen Namen nennen. Sie erſchrak nicht: denn ihre Gedanken und Blicke waren bei ihrer Ankunft durch die langen Gaſſen bis zur Umbach ſtill nach Franz Karl ausgegangen; daß ſie aber dieſen theuern Namen zuerſt aus fremdem Munde vernahm, gab ihr eine wun⸗ derbare Empfindung, und Gertrud kam dadurch ihrer Theilnahme gleich um Vieles näher. Deſto mehr erſchrak ſie aber auch, als die gute Frau mit einem Seufzer hin⸗ zuſetzte: Wenn ich nur erſt den gnädigen Herrn geſpro⸗ chen hätte!

Nur mit dem großen dunkeln Auge wagte Fides zu fragen. Allein Gertrud beſchränkte ſich auf die flüchtige Erwähnung ihrer Bekanntſchaft mit dem Baron als Guts⸗ nachbar. Ihr Herz ſchloß ſich krampfhaft, als ſie ihres