57
dem ſchwarzen und etwas lockern Futteral hervorgerutſcht war. Sie fragte, was es ſei, ob vielleicht ein geiſtliches Album oder eine Sammlung von Auszügen aus guten Büchern. Sie mochte dabei an ihre eigene Sammlung dieſer Art denken.— Gertrud, wenig darum bekümmert, legte das Buch mit der Bemerkung bei Seite, daß es des Oheims„Agende“ ſei, und die üblichen Kirchengebete
enthalte. Dann legen wir's am ſchicklichſten unter dies Kruzifix, meinte Fides,— ich habe dann ein ordentliches Altärchen
in der Stube.
Lächelnd nahm ſie dabei die verdorrten Buxbaumzweig⸗ lein hinweg, die noch von früher zwiſchen den Armen des kleinen meſſingenen Körpers hafteten.
Erheitert durch das Gelingen ihres Geſchäftes und die gute Aufnahme im Hauſe, ging Gertrud über die Ein⸗ theilung ihres Tages mit Fides zu Rathe, um ihre Ge⸗ ſchäfte mit Lennig's Einladung zu den mancherlei Schau⸗ ſtellungen zu vereinbaren. Es lag ihr vor Allem daran, mit dem Schiffer Jean Baptiſt Abrede für ihre Rückfahrt zu treffen. Dieſe Gelegenheit war ihr ja vom Oheim vorgeſchrieben. Wie erfreut vernahm ſie nun, daß der Schiffer ein Vetter von Fides ſei, zu dem auch gleich ge⸗ ſchickt wurde.— Lieber Gott, wie glücklich ſich Alles trifft/ ſagte ſie. Und ich bin mit ſo viel Angſt über die Brücke und durch die Stadt gegangen. Erſt in der Kirche fiel mir der gute Herr Lennig ein, und ich muß es für einen Fingerzeig des Himmels halten.
Gewiß! erwiderte Fides. Wenn wir in bangen Zwei⸗ feln nur unſer Gemüth recht ſammeln, finden wir im


