47 länder gedrückt, ſtehen: der Anblick des Stroms und der Stadt ergriff und bewegte ihr Herz.
Die Mittejuliſonne lag auf dem ſchimmernden Ge⸗ wäſſer, worin ſich am jenſeitigen Ufer die Zinnen und Thürme der Stadt abſpiegelten. Auf der vortretenden Martinsburg wehte die große Fahne mit dem Wappen des Kurfürſtenthums; die fürſtlichen Paläſte, die Thürme der Kirchen und die Maſte der Schiffe am Ufer hatten ſich mit Flaggen und Wimpeln geſchmückt. Vielfaches Geläut, Kanonenſchüſſe von den Feſtungswerken, das Rennen der Menſchen auf dem Kai und der Brücke bildeten einen auf⸗ fallenden Kontraſt zu der Ruhe, die unterhalb der glän⸗ zenden Stadt auf den grünen Ufern und Auen, auf dem Spiegel des zwiſchen den Inſeln dreigetheilten Stroms und auf dem duftigen Fernzuge des Gebirges lag. Ger⸗ trud empfand dieſen Gegenſatz mit einer Wehmuth, der ſie nicht wehren konnte. Ein Heimweh kam über ſie bei dieſem Glanz und Lärm. Stromabwärts ſuchte ihr feuch⸗ ter Blick fern und ferner die Stelle, wo am Fuß jener Berge ihr heimiſches Oeſtrich läge. Sie dachte an ihr Kind, und wie es erwachend nach ihr umſchauen und weinen werde. Ein ungewohntes Leid zu dem verſchloſſe⸗ nen Kummer, den ſie von dem geiſtlichen Oheim empfan⸗ gen hatte, tropfte aus den ſonſt ſo heiteren Augen auf das morſche Gebälk der Brücke, auf dem ihr Bündel und ihr Elbogen ruhte. Der Gedanke an ihren Oheim ſchreckte ſie aus dieſen Träumen; ſie dachte an ihr Geſchäft, und wendete ſich der Stadt zu!
Das laute, lebhafte Geſpräch der Menſchen, zwiſchen denen ſie ſich auf ſchwankenden Bohlen fortbewegte, zog


