Teil eines Werkes 
Bd. 8Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 2 (1857)
Entstehung
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Auch am Tage kam ſie zu keiner rechten Erholung, da ihr die Sorge für das Haus, für das Kind und für die Bedürfniſſe des Kranken oblagen. Und wenn ſie auch einmal in ruhiger Stunde neben dem Mitteagsſchlaf ih⸗ res glücklichen Kindes einzunicken ſuchte: ſo nahte ſich gleich wieder irgend eine entferntere Bekümmerniß, wie jene um den Baron Franz Karl, ihren edeln, herzlichen Nachbar. Aus den Fieberreden des Paters hatte ſie eine unbeſtimmte Angſt geſchöpft. Der unverkennbare Haß des Kranken machte ihr weniger Sorge, als manche Andeu⸗ tung, die den jungen Herrn mit Verrath irgend eines Geheimniſſes bedrohten. Jene nächtlichen Phantaſien lall⸗ ten von verrätheriſchen Papieren, von Ränken der Gräfin Coudenhove, von falſcher Ausſteuer einer Comteſſe und dergleichen. Gertrud hatte Einſicht genug, ſolche Fieber⸗ reden nicht als ſinnloſe Spielereien einer erhitzten Einbil⸗ dungskraft für unbedeutend zu halten. Sie kamen ihr freilich manchmal wie nächtliche Irrlichter vor; doch gerade von dieſen war ihr bekannt, daß ſie, wenn auch nicht als Geſpenſter furchtbar, doch einen ſumpfigen Boden ver⸗ rathen, aus dem ſie gaukelnd hervorhüpfen.

Zum Glück für Gertrudens Anſtrengungen genas der kräftige Garzweiler in wenigen Tagen von dem Verkäl⸗ tungsfieber, und die Verletzung am Bein verlor auch bald nach erleichterter Geſchwulſt ihr gefährliches Ausſehen, und verlangte nur Ruhe und ſorgfältige Aufſchläge.

Nun hielt Gertrud auch nicht länger einen Brief zu⸗ ruck, der vor einigen Tagen gekommen war. Sie hatte beſorgt, der Inhalt möchte den Kranken beunruhigen, und bemerkte nun an dem Eindrucke, den die Zeilen auf ihn