39
zuzöge, das Kind eines Prieſters zu ſein. Wenden Sie ſich nicht ab, beſter Oheim! Ich habe vielleicht nicht Recht; es kann ein falſches Gefühl ſein; doch iſt mir im— mer ſo zu Muth geweſen, wenn ich von dergleichen Ver⸗ hältniſſen gehort habe, und mancher brave und geſcheite Mann hat mir darin auch Recht gegeben. Zum Glück kommt für Sie und für mich nichts darauf an, ob ich Recht oder Unrecht habe, lieber Oheim! Wir wollen nur die Menſchen nicht irre machen.
Sie warf ſich an Garzweiler's Bruſt, erſchöpft von den lebhaften Worten, die ihr in der Angſt des Herzens zugefloſſen waren. Doch weder dieſe Worte, noch die feuchten Augen, mit denen Gertrud zum Oheim aufblickte, rührten ihn. Er empfand in dieſem Augenblicke nur den bitterſten Verdruß über ſeine mißlungene Beichte, zu der er ſich erſt mit ſo viel Kampf entſchloſſen hatte. Seine ſchönen Erwartungen, ſeine ſüßeſten Träume ſchwanden dahin. In dieſem Unmuth brachte er nichts als die ver⸗ legenen Worte hervor:
So? Gute, geſcheite Männer geben dir Recht? Wer denn, zum Beiſpiel? Wem haſt du denn— 2
Auch der Herr Baron von Wallbrun, lieber Oheim! antwortete ſie treuherzig.
Baron Wallbrun? ſchrie Garzweiler, und ſtieß die erſchrockene Frau von ſich. Dem haſt du dich vertraut? Der weiß, daß du meine—
Ein greller Blitz und jäher Donner unterbrachen die Zornesrede. Gertrud ſtieß einen Angſtſchrei aus.— Ach mein Kind! rief ſie, und rannte ohne Weiteres den Weg hinab.—


