34
Will denn unſer Mainz auch etwas Apartes haben? Es iſt ein Miniaturbild des deutſchen Reiches; und wie dies unter dem Familien⸗Egoismus und der Engherzigkeit ſeiner Fürſten und ihres Anhangs nicht zu Kräften kom⸗ men kann: ſo arbeiten wir Andern aus Privat⸗Intereſſen der Revolution und dem Sturze von Mainz wacker in die Hände.
Wir Andern? verſetzte Chambion. Man ſollte glau⸗ ben, du zählteſt dich auch dazu!
Verlegen und etwas heftig erwiderte Garzweiler:
Du kennſt den Hofanhang und die Günſtlinge des alten Herrn nicht! Frage nur die Coudenhove, wohin die Mittel fließen, mit denen Mainz befeſtigt werden müßte,— das Blut des Landes, wovon die Hatzfeld'ſche Familie ihr blühendes Ausſehen gewinnt!
Nun, nunl! wendete der Pfarrer ein. Mainz iſt noch nicht das Reich. Wir haben auch treffliche Fürſten. Nimm Baden, und du findeſt einen fruchtbaren Garten und flei⸗ ßige Kinder eines liebreichen Landesvaters. Blicke nach Weimar, welch' ein friſcher genialer Fürſt dort die erſten Geiſter Deutſchlands um ſich zu verſammeln weiß. Selbſt der Würtemberger iſt nun zur Erkenntniß ſeiner Vergehen gekommen und hat das Syſtem des Soldatenzwangs, des Steuern⸗ und Frohndedrucks, des Jagdunfugs und Dienſt⸗ handels endlich der Wohlfahrt ſeines Volkes untergeord⸗ net. An ihm hat der moraliſche Imperativ einen herr⸗ lichen Sieg errungen. 4
Ach! rief Garzweiler unwillig aus, ihr, hinter euern Kraut⸗ und Kartoffelländern hockenden Philanthropen glaubt Wunder was ihr mit euerm Kant und ſeinem„abſoluten


