Paar in ihrem Hofwagen mit nach Hauſe nahm, eine Betrachtung begegnet ſein, die nun ein wenig zu ſpät kam. Der Auwehruf des ſegnenden alten Kurfürſten, worüber der lauſchende Kammerdiener Ropiquet beinahe in ein verrätheriſches Lachen ausgebrochen wäre, machte wol der ſinnlichen Weltdame keine ahnungsvolle Sorge; aber ihr Gewiſſen mochte ihr einen andern Zweifel zuge⸗ flüſtert haben, den mir auch ihre vertraute Kammerfrau andeutete. Die Gräfin weiß nämlich gar wohl, daß es ihr nicht an Feinden und Aufpaſſern fehlt, und eben ſo wenig iſt ſie über dasjenige im Unklaren, was man ihr in der hohen und niederen Geſellſchaft zutraut. Nun mochte ihr einfallen, wie leicht man die ſchnelle Beförde⸗ rung des Barons mit dieſer Verlobung in Verbindung bringen, und die glänzende Ausſtattung, die ſie in Ge⸗ danken der Nichte zumaß, für einen ſtillen Seitenabfluß aus dem neuen Staatsanlehen und der Extra⸗Beſteuerung des Landes anſehen dürfte. Dieſe Vermuthung lag ihr auch nicht ſehr fern; denn ſie lag ja in der Wahrheit der Sache ſelbſt. Es ſchien daher der Gräfin gerathe⸗ ner, die Verlobung erſt ſpäter und als eine Folge der Auszeichnung des Barons für ſeine Geſchäftsthä⸗ tigkeit bei der Kaiſerkrönung bekannt werden zu laſſen. Bis dahin kam dann auch die durch den Aufwand der Krönung und der mainzer Feſtlichkeiten erſchöpfte Landes⸗ kaſſe nicht ſo leicht mehr in den Verdacht, bei der Aus⸗ ſteuer der Braut Pathenſtelle vertreten zu haben. Es war daher ihr angelegentlichſter Wunſch, daß die Verlobung vorerſt noch ein Geheimniß bleibe. Was ſie aber dem Baron vorgeſpiegelt hat, um ihn auch dafür zu ſtimmen,
Teil eines Werkes
Bd. 8Die Clubisten in Mainz : ein Roman in drei Theilen : Th. 2 (1857)
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


