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behielt, noch einmal die Gegenſtände ſeines Verdruſſes. Nicht nur daß die Gräfin Coudenhove ihren neuen Ein⸗ fluß beim Kurfürſten benutzt hatte, ihm Ungunſt zu erre⸗ gen, war auch der öſtreichiſche Geſandte kälter— oder wie es Garzweiler nannte— undankbarer gegen ihn geworden. Am meiſten aber kränkten ihn Vorwürfe aus Rom, Tadel ſeines Benehmens in manchen Stücken, Un⸗ zufriedenheit mit ſeinen Leiſtungen und Mißbilligung ſeines ſtarken Verbrauchs der geheimen Fonds, die ihm zur Ver⸗ fügung ſtanden. Die Demüthigung nicht zu rechnen, die ihm täglich von den Werkzeugen ſeiner verborgenen Be⸗ triebſamkeit entſprang, und um ſo empfindlicher war, als er das nichtswürdige Völkchen, deſſen er ſich bediente, im Innerſten verachtete.— Heut' endlich dieſen widerwärtigen Kreiſen entronnen, fühlte er ſich wie verwandelt; er kam ſich wie ein anderer Menſch vor; ſein unterdrücktes Na⸗ turel machte ſich geltend, und ein natürliches Wohlwollen erfüllte ſeine Bruſt. Die Natur um ihn her reinigte mit einem Strome von Frieden ſein unruhiges Herz; Träume der Jugend erwachten, Bilder längſt verdunkelter Tage glänzten friſch hervor. Alle ehrgeizigen Gedanken löͤſten ſich in dieſer weichen, balſamigen Luft; alle Em⸗ pfindungen ſpielten in die Tonart froher Erinnerungen und heimlicher Wünſche. Nie hatte er lebhafter empfun⸗ den, daß alles dauernde Glück des Lebens aus reinen Naturverhältniſſen erwachſe, und ſegnete mit ſo innigerem Entzücken ſeine jetzige Fahrt, auf welcher er durch Liebe und Hingebung die erſehnte Befriedigung ſeines Alters zu ſinden hoffte.
Dieſen Eindrücken überließ ſich der Geiſtliche anfangs


